Beim Smile-Treffen im März 2008 haben wir beschlossen, eine Abwandlung des SF-Workshops ins Leben zu rufen: Statt gemeinsam eine Geschichte zu schreiben, wollen wir euch dazu gewinnen, kleine Geschichten zu schreiben, die dann vielleicht einmal gesammelt herausgegeben werden können. Als Rahmen haben wir die Gaststätte eines fiktiven kosmischen Rastplatzes auf dem Weg zum Kuiper-Belt vorgegeben. Die Geschichten werden dort erzählt, handeln dort, oder gehen von dort aus bzw. enden dort. Alles andere ist offen … 5.11.08
 

Kuiper-Belt NasaDer Kuiper-Belt nach heutigem Kenntnisstand (Nasa *)

Projekt Kuiper – SF-Worshop II

Wir befinden uns an der Schwelle des 22. Jahrhunderts. Die technische Seite der Raumfahrt steht gegenüber der heutigen ähnlich wie die heutige Land- und Luftverkehrstechnik im Vergleich zu der nach 1900. Industriell hergestellte Raumfahrzeuge, ungefähr mit der Reichweite des Sonnensystem-Bereichs (die interstellare Raumfahrt steckt jedoch noch in den Kinderschuhen – das rätselhafte Verschwinden der »Montgomery Carter« hat dem Menschen gezeigt, dass er nicht alles kann), sind zum ganz normalen Alltagsgut geworden. Man benutzt sie, ohne dass man Raumpilot oder technisches Genie sein muss (so wie wir heute ein Automobil benutzen). Insofern interessiert sich auch kaum jemand für deren Technik. Ausstattung und Farbe sind viel wichtiger. Oder das Transportvolumen für mehr oder weniger legal erstandene Handelsgüter, Spacing-Ausrüstungen oder Schätze. Auch das Energieproblem ist gelöst; kaum jemand weiß, wie oder wovon die Dinger versorgt werden (deswegen brauchen wir auch nicht darüber zu reden; die Sachen sind einfach vorhanden). Ähnliches gilt für Sauerstoff, Wasser und Nahrung. Und die Raumschiffe haben sogar ein Klo. Eigentlich eine sehr gute neue Zeit.

Im erdnahen Weltraum (einschließlich Asteroidengürtel) ist kaum noch Abenteuerlust zu befriedigen, auch die eigentlich unermesslichen Schätze sind kaum noch von Privatleuten zu holen – die Konzerne sitzen schon überall. Die Abenteurer und Schatzsucher haben also ein neues Ziel vor Augen – den Kuiper-Belt. Man kann die Stimmung ein wenig vergleichen wie in den USA zwischen 1783 (Ende des Unabhängigkeitskrieges) und 1869 (Fertigstellung der Eisenbahn von der Ost- zur Westküste). Aber eben vor einem ganz anderen technologischen und sozialen Hintergrund. Unter anderem schwirren hier so viele unterschiedliche Wesen herum, dass man keine Lust mehr auf Diskriminierung hat.

Peace is not a dirty word

In der »guten neuen Zeit« herrscht Frieden. Darauf legen wir wert. Also keine Space-War-Hollywood-Schinken, das sollen die selber machen. Smi²le bedeutet Frieden, das ist Bedingung (schließlich ist der Verein von befreundeten Preußen und Bayern gegründet worden). Natürlich wird ab und an von weniger freundlichen Welten erzählt, aber alles hat seine Grenzen. Die Menschheit, wie auch die sonstige Alienity, interessiert sich für andere Dinge, als sich gegenseitig die Köpfe oder deren Äquivalent einzuhauen.

Es handelt sich um eine Periode neuer Ziele, neuer Hoffnung und unglaublicher Offenheit. Niemand mehr sagt zu einem grünen Marsianer abfällig »Kermit« (nicht der solare Mars ist gemeint, sondern der des Systems »Regula Maior« – ein weit verbreiteter Irrtum). Gut, »Werder Bremen«-Gesänge kommen vor, allerdings unter Freunden. Um das mal vorweg zu nehmen: Der Wirt der Kneipe ist der Hofer Franz, ein gebürtiger Südtiroler, und die meisten Gäste halten »Hofer« für den Vornamen, sagen also »Herr Franz« oder »Hofer«.

(*) Nasa-Bildmaterial

Nasa-Bilder (z.B. die Zeichnung oben) stehen zur nicht-kommerziellen Verwendung frei zur Verfügung. Hier die Erklärung dazu von nasa.gov¹:

»NASA images generally are not copyrighted. You may use NASA imagery, video and audio material for educational or informational purposes, including photo collections, textbooks, public exhibits and Internet Web pages. This general permission does not include the NASA insignia logo, the NASA logotype and the NASA seal.

Wir wollen eine andere Science-Fiction

Es muss doch noch andere Themen geben als Kriegspropaganda …

Ok? Dann zückt die Feder.

Der Kuiper-Belt, 2008

Um 1950 wurde von den Astronomen Kenneth Edgeworth (IRL) und Gerard Kuiper (NL/USA) unabhängig voneinander postuliert, dass es neben dem Asteroidengürtel zwischen Mars und Jupiter ein weiteres, mindestens 10mal so weit entferntes (außerhalb der Neptunbahn) und noch viel umfangreicheres »Materiallager« geben müsse (insbesondere für Kometen). Inzwischen gibt es Hubble-Aufnahmen von Kleinplaneten in diesem Bereich; die Existenz des Kuiper-Gürtels ist belegt. Sehr viel wissen wie jedoch nicht darüber – also können wir unserer Phantasie freien Lauf lassen.

Der Kuiper-Belt, 2108

Der Kuiper-Belt ist ein beliebtes Ziel für Abenteurer, Forscher, Schatzsucher und »Country-Road«-Romantiker, da er eine große Vielfalt von bizarren Himmelskörpern birgt. Man kann hier alles finden, eventuell sogar sein Glück. Man kann sich dort auch verstecken, Einsiedeleien und Sektenquartiere gründen, oder eben eine Raststätte eröffnen.

Der Planetoid »Poros«

Unser Schauplatz ist ein bemerkenswert unregelmäßig geformter kleiner Planetoid am äußeren Rande des Asteroidengürtels. Der Planetoid hat anomal hohe Schwerkraft (niemand kennt den Grund; an Material und Dichte liegt es nicht alleine – es gibt wohl eine unbekannte Qravitationsquelle), je nach Gegend variierend 20-60% der Erdschwerkraft, eine völlig uneinheitliche Bodenstruktur (also unterschiedlichste Landschaften), außerdem Geothermie (es ist angenehm warm), Wasser und (sehr dünner, aber atembarer) Luft – natürlich entgegen aller Voraussagen der Wissenschaft (die Natur ist nun mal etwas phantasievoller als der Mensch). Da es, abgesehen vom leichten Eigenleuchten der Gasplaneten, ziemlich dunkel ist, begrüßt man sich hier gewöhnlich mit »Guten Abend«.

Namensgeber des Planetoiden ist nicht die griechische Insel Poros, sondern der römische Gott – ob in dessen Funktion als Schutzherr der Fülle oder Vater des Eros, ist nicht überliefert.

Ähnlich bizarr wie der Planetoid selbst sind auch dessen Bewohner und Besucher, insbesondere die der Raststätte und der mehr oder weniger provisorischen Siedlung, die sich um den Rastplatz gebildet hat – meist aus Containern, aus »space homes«, eine Art Wohnanhänger für handelsübliche Personenraumschiffe oder aus alten Raumlastern. À propos »Laster«: Es geht sehr freizügig ab, aber eben friedlich, weil doch alle gnadelnos aufeinander angewiesen sind. Es gibt dort keine Polizei, da es solche anomale Planetoiden nach amtlicher Übereinkunft nicht geben kann, und sie folglich im Dienst nicht angeflogen werden.

Kern- und Treffpunkt ist, wie in jedem Jahrhundert, eine ziemlich schräge Kneipe.

Die Kneipe: »Digger's Inn« bzw. »Kuhstall«

Der Wirt, Hofer Franz, ist irgendwo in einem Nebental der Eisack geboren, also in Südtirol. Er hat vor vielen Jahren den »Digger's Inn« übernommen und entsprechend umgestaltet – mit echten Holzbalken und einem antiken Kneipen-Schild, auf dem »Kuhstall« steht. Insgesamt ist das Haus ziemlich verbaut, aus allen möglichen Materialien zusammengeflickt. Man kann nicht unterscheiden, ob die Gestaltung der Wände sich aus den zufällig vorhandenen Materialien ergeben hat, oder ob hier ein Künstler am Werk war. Vermutlich liegt die Wahrheit irgendwo dazwischen.

Die Einrichtung besteht auch aus allem, was sich angesammelt hat. Man sitzt auf abgewetzten Pilotensesseln, auf Kisten, Fässern, Dosen oder auch auf dem Boden. Lediglich der Tresen passt mit einigem guten Willen zum Stil einer südtiroler Dorfkneipe. Der Franz selbst ist etwa 1,80 groß, eher kräftig gebaut, meist gut gelaunt, und von nicht schätzbarem Alter (er redet auch weder über persönliche Daten noch über den Grund dafür). Er spricht starken Dialekt, selbst die teuersten Translatoren bringen den Tonfall nicht weg. Auch in der paragonischen Übersetzung etwa bleibt dieses »lei« bestehen, was in dieser Sprache etwas sehr lustiges bedeutet (etwa wie wenn man einem Engländer »Gute Fahrt!« wünscht). Franz ist ziemlich geschäftstüchtig, man kann in allen bekannten Währungen bezahlen, sich alle möglichen Speisen und Getränke materialisieren lassen – weiters gibt es echte Knödel, echte Spaghetti, echten Espresso, echten Wein und echtes »Forst«-Bier.

Hierzu hat »Herlu schon ein paar Gedanken gesammelt – folgt!

Was fehlt?

Bitte teilt mit, was zur Beschreibung noch fehlt, es wird nachgereicht.

Frohes Geschichten-Erfinden! Es können ganz kurze Episoden sein oder längere. Zu den inhaltlichen Vorgaben: siehe oben; ansonsten seid ihr absolut frei.

Denkt daran, dass wir uns auf einem anomalen Planetoiden befinden – dort kann so ziemlich alles passieren. Es ist denkbar, dass man in der Umgebung noch mehr solcher seltsamen Himmelskörper entdecken oder erforschen kann. Die Gäste stammen nicht nur von der Erde. Hier ein paar Beispiele:

Natürlich ist Poros auch ein Refugium für Aliens, die »aus der Art geschlagen« sind – Wesen, die man eigentlich als Monster kennt, einmal ganz anders zu erleben, ist immer wieder reizvoll.

Es können auch Figuren aus anderen SF-Storys auftauchen, aber bitte verletzt nicht das Urheberrecht – wir tragen die redaktionelle Verantwortung mit.

 

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