Je mehr Offizielle und Medien lügen oder verheimlichen, je undurchsichtiger der Sachverhalt wird, um so mehr Verschwörungstheorien keimen auf. Wir erläutern den Begriff und bringen ein paar Beispiele …

 

Airplane Carrier Akagi, Japan 1927Airplane Carrier Akagi, Japan 1927 (Wikipedia¹)  Pearl Harbor, Verschwörung oder Fehleinschäztung?

Verschwörungstheorien – ›Conspiracy‹

+

… was ist das?

Unter einer Verschwörung versteht man ein heimliches Bündnis, das mit dem Mittel der Täuschung arbeitet, um kriminelle oder aus anderweitigen Gründen geheim zu haltende Ziele zu erreichen. Klassisches Beispiel ist ein gewisser Herr Marcus Junius B., der offiziell engster Vertrauter des Oberhauptes eines EU-Vorgängerstaates war, von diesem als »mein Sohn« tituliert wurde, und sich dann als Drahtzieher eines Mord-Komplotts gegen ebendiesen herausstellte.

Im Sektor »Hersteller-Absprachen« mag man den Begriff nicht so gerne, doch auch hier gibt es geheime Zusammenarbeit von Konkurrenten, etwa um sich auf künstlich begrenzte Nutzungszeiten ihrer Produkte zu einigen. Das passiert wirklich, ist nicht erfunden. Solche Absprachen gehen sogar in Industrie-Normen ein, z.B. für elektrische Beleuchtung: Die Norm verlangt eine Haltbarkeit von mindestens 1000 Stunden. Das klingt nach viel, doch gibt es eine Art Prototyp in Kalifornien¹, der seit 1901 dauerhaft in Betrieb ist. Dort hat man vor, 2015 die millionste Betriebsstunde feierlich zu begehen.

Von einer Verschwörungstheorie hingegen spricht man dann, wenn Kritiker hinter einer offiziell verkündeten Version der »Wahrheit« eine Finte vermuten. Auch dafür gibt es genug Beispiele, etwa die Umstände des Kriegs-Eintritts Deutschlands gegen Polen 1939. Damals war die offizielle Lesart der Ereignisse in der Tat eine Verschwörung gegen die Wahrheit, und die Anhänger der (tatsächlich der Wahrheit entsprechenden) Verschwörungstheorie hatten mit Hinrichtung ohne Urteil zu rechnen.

Etliche vermeintliche Verschwörungstheorien erwiesen sich im Nachhinein als richtig, jedoch längst nicht alle.

Sehen wir uns einfach ein paar Beispiele an:

 

+

… wie kommt es dazu?

Verschwörungstheorien entstehen dann, wenn Informationen verfälscht oder verschwiegen werden, oder wenn von einem Ereignis bestimmte Leute derart profitieren, dass man sie geradezu verdächtigen muss, an der Herbeiführung des Ereignisses mitgewirkt zu haben.

Wie Vermutungen im allgemeinen, haben auch Verschwörungstheorien den Schwachpunkt, dass meist falsch geraten wird. Damit führen auch sämtliche Schlussfolgerungen aus den fehlerhaften Grundannahmen in den Wald.

Im Fall »Pearl Harbor« liegt der Schwachpunkt der offiziellen Version darin, dass die Kessel der Kriegsschiffe nicht unter Dampf gehalten wurden, weil man keinen Einsatz vor hatte - möglicherweise wussten die Japaner das. Die Frage, ob der Befehl zum Fluchtstart absichtlich unterdrückt wurde, stellt sich also gar nicht erst, da es dazu sowieso schon zu spät war.

Im Fall 9/11 wirkt das Geschehen zu perfekt inszeniert und die offizielle Version einfach zu plump, zumindest die erste mit fliegerischen Laien als Täter. Was wirklich geschah, ist bis heute unbekannt.

Im Fall der Mondlandung tappen all die, die z.B. Bildfehler gefunden haben wollen, im Dunkeln. Schwachpunkt dieser großartigen »moon-walk-show« war in erster Linie das verschwiegene Risiko hinter der inszenierten Perfektion. Apollo 13 hat gezeigt, dass so gut wie kein Sicherheitsspielraum selbst für mittelkleine Defekte vorhanden war.

Die Liste lässt sich fortsetzen …

 

+

Wortbedeutung und rechtliche Aspekte

Im Deutschen wird der Begriff »Verschwörung« etwas anders verwendet als im englischen Sprachraum. Für uns klingt er nach Brutus und Longinus, Saruman und Orks, nach Shakespeares Dramen und Wagners Opern. Im anglikanischen Raum versteht man darunter schlicht die Verabredung zu Straftaten oder die Bildung krimineller Vereinigungen; Straftaten, die auch das deutsche StGB kennt (z.B. § 30, § 129).

Meist geht es dabei um Macht, Geld, Erpressung – also durchaus real existierende Dinge. Im harmlosesten Fall handelt es sich um Schwüre oder ›Ehrenworte‹, die sich Mitglieder irgendwelcher Bruderschaften geben, die jeden verpflichten, die anderen Mitglieder unter allen Umständen zu protegieren und zu decken (daraus resultieren Vergehen wie Mitwisserschaft, Meineid usw.). In extremen Fällen planen oder decken solche Gruppen betrügerische Geschäfte, kriminelle politische Aktionen, Anschläge.

Insbesondere das Thema »Mind-Control« (siehe dort, z.B. Claudia Mullen) offenbart, welchen Umfang die Verbrechen verschwörerischer Clans annehmen können und tatsächlich angenommen haben, und wie weit staatsliche Organe, speziell Geheimdienste, in solche Aktionen verstickt waren oder bis heute sind.

R. A. Wilson stellt in seinen Romanen die These auf, dass es weltweit von verschwörerischen Gruppierungen nur so wimmelt – und dass allein die Tatsache, dass sie aufgrund gegenläufiger Interessen gegeneinander handeln, die negativen Auswirkungen in Grenzen hält …

 

Beispiele

+

Pearl Harbor, Hawaii, 1941

Bestimmten politisch-militärischen Kreisen kam der Angriff Japans gegen die USA gerade recht, um einen Grund für den Kriegseintritt zu haben …

… die US-Navy kannte die Angriffspläne, unternahm aber nichts dagegen …

… was lag also näher als der Vorwurf, man habe absichtlich einen großen Schaden in Kauf genommen, um die Öffentlichkeit für den Kriegseintritt zu gewinnen?

Im Nachhinein wird jedoch deutlich, dass der japanische Angriff auf Pearl Harbor ein absolut wahnsinniges Unterfangen war, das die japanischen Resourcen über Gebühr dezimiert hat, und mit dem man folglich nicht wirklich rechnen musste – schon gar nicht mit dessem Gelingen.

Allerdings hat die NAVY diesen Sachverhalt nie so kommuniziert, wollte die Fehleinschätzung nicht zugeben. -- Ja, und wenn man nicht die Wahrheit sagt, dann kommen Gerüchte auf … Verschwörungstheorien.

Auf der Hawaii-Insel Honolulu gelegen, war Pearl Harbor ein Flotten-Stützpunkt der USA im Pazifik, etwas über 4000 km von Los Angeles und deutlich über 6000 km von Tokyo entfernt. Ohne vorherige Kriegserklärung griffen japanische Flieger diesen Stützpunkt im Dezember 1941 an und zerstörten ihn sowie die dort vor Anker liegende Pazifik-Flotte erheblich. Daraufhin verlegten die USA ihren Pazifik-Stützpunkt nach San Diego (etwa 100 km südlich von L.A. an der Grenze zu Mexico). Das Pikante an der Sache: Die US-Navy hatte die japanischen Funksprüche entschlüsselt und wusste um die Angriffspläne bescheid.

Warum nahm man die Bedrohung nicht ernst?

Nach heutiger Geschichtsbetrachtung hatte die US-Regierung 1. die Bereitschaft Japans, sich auf einen Mehrfronten-Krieg auch unter Beteiligung der USA einzulassen, unterschätzt (das war ja auch Wahnsinn), 2. die Wirkung des Öl-Boykotts seit 1940 überschätzt sowie 3. die strategische Bedeutung der eher wie Bastelarbeit anmutenden Flugzeugträger Japans (z.B. der nur 260 Meter lange »Akagi«, Baujahr 1927, also 1941 schon ein alter Topf) nicht erkannt.

In der Tat schafften die seltsamen Dinger Flugzeuge in die Nähe des Stützpunktes, sehr viele Flugzeuge, sowie entsprechend viele Bomben und sonstige Munition. Am 7.12.1941 erfolgte ein Angriff, der über 2000 Todesopfer forderte und den Stützpunkt komplett zerstörte. Die US-Kampfflotte saß dort fest und konnte nicht fliehen: Schiffe dieser Größenordnung brauchen mehrere Tage, um die Dampfkessel auf Betriebsdruck zu bringen (im Vergleich zum Dieselmotor-Direktantrieb kann die Dampfturbine kurzfristig das Mehrfache ihter Nennleistung erbringen; sie war daher bis in die 1970er Jahre Standard bei Kriegsschiffen und wurde erst durch die Steigerung der Energiepreise nach der Ölkrise unwirtschafltich). So musste die US-Öffentlichkeit fassungslos einer unglaublichen Erniedrigung ihrer für unangreifbar gehaltenen Navy zusehen.

Logischerweise blieben Verschwörungstheorien nicht aus: Man habe absichtlich den Angriff zugelassen, um endlich Rückhalt in der Bevölkerung für den Kriegseintritt der USA zu gewinnen.

In der Tat war der Angriff auf Pearl Harbor ein Gefallen an die Kriegstreiber, der wie auf Bestellung kam. Und damals hat auch niemand zugegeben, dass die Schiffe mitten im Krieg manövrierunfähig und abgeschaltet im Hafen lagen. So entstand die Verschwörungstheorie um den groß und verlustreich inszenierten Vorwand zum Kriegseintritt …

Dennoch bleiben ungeklärte Punkte:

Bei unerklärlichen Vorgängen in der Poitik scheint es oft so, als ob konkurrierend oder gar chaotisch-gegenläufig offizielle Organe einerseits sowie sonstige Kräfte andererseits Fakten schaffen, denen die weitere politische Entwicklung bisweilen stärker beeinflussen als das irgendwer zuzugeben bereit ist. Als 'sonstige' kommen Geheimdienste in Frage, Klüngeleien von Industrie- und Bank-Lobbyisten, elitäre, geheime und kriminelle Vereinigungen (Waffen- und Drogenhandel als umsatzstarker Wirtschafts-Sektor mit Gewinnspannen, von denen Investoren träumen) bis hin zu vermeintlich belanglosen Interessensvertretungen wie der ADAC (vgl. Autobahn-Höchstgeschwindigkeit in Deutschland) oder der Alpenverein (vgl. Olympia 2018).

Die Verdachtsmomente, die für ein solches chaotisches Gegen- und Durcheinander sprechen, sind so hart, dass man hier nicht mehr von einer Verschwörungstheorie reden kann.

 

+

11. September 2001, 9/11

An den Anschlägen vom 11. September 2001 waren in Planung und Durchführung etliche Menschen beteiligt, es handelt sich somit definitiv um eine Verschwörung. Die Fragen, die für den Geschmack vieler Leute nicht hinreichend beantwortet sind, ist (1.) die nach den Tätern und Mittätern und (2.) die nach ungeklärten Details (so meinen Zeugen, Sprengungen gehört zu haben, und Architekten, die Bauten hätten einen Unfall mit einem Verkehrsflugzeug aushalten müssen). Solche Fragen sind legitim und haben mit Herabwürdigung der Todesopfer überhaupt nichts zu tun.

Wir kennen die Geschichte alle: Gegen acht Uhr Ortszeit/NYC wurden im Norden der USA vier Passagiermaschinen entführt, ausgerechnet an einem Tag, an dem aufgrund einer hoch geheimen Übung das Luftabwehrsystem der Air Force nicht betriebsbereit war. Das alleine ist schon sehr seltsam und war Anlass für Verschwörungstheorien in Bezug auf Verwicklung diverser Geheimdienste – was zwar stets dementiert wurde, aber dennoch alles andere als abwegig bleibt – zumal der auf die Entführung folgende Anschlag sofort als Grund fü einen neuen Krieg mit einem neuen Feind diente. Allein schon die Kette »Anschlag - neuer Feind - Kriegserklärung« rief all die auf den Plan, die nach Verschwörungen suchen.

Die Tatsache, dass das Ganze am (28.) Jahrestag des Chile-Putsches geschah, forderte weitere Verschwörungstheorien heraus. Ebenso die Tatsache, dass irgendwer zeitgleich in großem Stil an der Börse gegen American Airlines wettete. Und noch ein paar Dinge mehr …

Zwei der Flugzeuge wurden um 8.45 und 9 Uhr in die Türme des World-Trade-Center gesteuert und trafen die Bauwerke in etwa 350 m Höhe ziemlich mittig (der zweite Einschlag war live im TV zu verfolgen). Die dazu verwendete B-767 hat etwa 50 Meter Spannweite, die Facade war gerade zehn Meter breiter. Als Einschlag-Geschwindigkeit werden 400 Knoten angegeben, das entspricht 210 Metern pro Sekunde – oder 740 km/h.

(200 m/s ist fast die aerodynamisch bedingte Höchstgeschwindigkeit dieses Flugzeugs auf Meereshöhe oder das Sechsfache der Autobahn-Richtgeschwindigkeit – dazu kommt allerdings, dass Automobile auf einer festen Straße fahren und damit sehr direkt lenkbar sind, und das Passagierflugzeug sich in der Luft bewegt, einem nachgiebigen Medium, so dass die 'Lenkung' deutlich träger anspricht)

Zum Vergleich: Bei einer Landung setzt das Flugzeug mit einer Toleranz von zehn Metern zur Mittellinie auf; – allerdings mit nur 70-75 m/s und in der Regel mit Unterstützung etlicher Automaten. Das mit dem Laien als Piloten können wir also vergessen.

Kritikpunkt:

Die offizielle Version des Anschlags ist auch neun Jahre danach kaum über das Stadium einer Verschwörungs­theorie gekommen.

Noch immer wird behauptet, die Attentäter seien ausnahmslos im Kreis verblendeter, ungebildeter Deppen aus der Provinz zu suchen. Dafür ist diese Aktion allerdings eine Nummer zu groß.

Aus diesem Grund fordern wir diejenigen, die mehr wissen, auf, endlich die Wahrheit zu sagen.

Bis dahin sind wir so frei, uns sonstige Verschwörungs­theorien anzuschauen und dahingehend zu prüfen, ob nicht doch ein wahrer Kern daran ist.

Ungeachtet der Frage um die Opfer und jeder Zynismus-Diskussion sieht der Verlauf des Anschlags dann doch mehr nach dem Werk des Autopiloten aus als das eines Amateur-Hijackers. Unter dieser Prämisse ändert sich die Fragestellung der Verschwörungs-Theoretiker in: »Wer hat den AP so programmiert, und wer alles hat das entweder geschehen lassen oder nicht aufgepasst, ja, und wer hat das angeordnet?«

Nach ersten Veröffentlichungen soll ein absoluter Laie mit ein paar Flugstunden auf einem »fliegenden Rasenmäher« diese (auch wenn das makaber klingt) fliegerische Perfektionsleistung vollbracht haben; das hat wohl weltweit niemand geglaubt, der sich auch nur ein bisschen mit der Materie auseinandergesetzt hat. Später wurde dies revidiert; die Terroristen-Piloten sollen erprobte Kampfflieger gewesen sein. Doch auch das macht die Sache nur unwesentlich glaubhafter.

Wollen wir die Argumentationskette an dieser Stelle abbrechen und uns einfach auf die Aussage beschränken, dass hier ein Stück Wahrheit fehlt. Auf der Suche nach der Wahrheit wird sinnvoll wie auch sinnlos spekuliert, es kommt also zwangsläufig zu Verschwörungstheorien.

 

+

RAF

Wer entsprechend alt ist und die Hysterie der späten 1970er und 1980er in Westdeutschland um die »Rote Armee Fraktion« miterlebt hat, weiß, was unter dem Begriff »Verschwörungstheorie« zu verstehen ist.

Damals war der westdeutsche Staat – insbesondere dessen Fahndungs- und Vollzugs-Organe – Opfer einer großen Verschwörungstheorie, die besagte, bei der RAF handelte es sich um eine große Organisation mit weitem Rückhalt in der Bevölkerung.

Bitte nicht falsch verstehen: Hier soll weder die RAF gut geheißen werden, noch deren Entführungen und Anschläge. Es geht hier alleine darum, was die RAF wirklich war im Gegensatz zur damaligen Einschätzung.

Zu Zeiten der Rasterfahndung und des Generalverdachts gegen alle Bürger war der Staat kurz davor, der 'Ordnung' halber mühsam erkämpfte Grundrechte abzuschaffen. Damals konnte das verhindert werden – im Zuge der weltweiten »war-on-terror«-Hysterie im Herbst 2001 war dieser Kampf allerdings verloren.

Natürlich gab es seitens der per Rasterfahndung generalverdächtigten Bevölkerung ebenfalls Verschwörungstheorien, vor allem um die Todesumstände von Andreas Baader und Ulrike Meinhof 1977 in Stammheim. Dies, zusammen mit der Kritik u.a. von Amnesty International an den Haftbedingungen, führte auf staatlicher Seite zu weiteren Verschwörungstheorien, die selbige von einem hohen Rückhalt der RAF in der Bevölkerung überzeugten.

Einen derartigen Rückhalt gab es nie. Die RAF war stets eine kleine Gruppe mit elitärem Anspruch. Nur wenige Personen schafften es, als Nicht-Gründungsmitglied dort aufgenommen zu werden. Die Leute waren gefährlich, hatten keine Skrupel, für ihre Ideen bis ans Äußerste zu gehen, aber eine wirkliche Gefahr für den Staat waren sie nicht.

Ebensowenig waren sie die Chance für die Führung der DDR, den West-Staat mittels kleiner Geldgeschenke an die vermeintliche Fundamental-Opposition zu destabilisieren.

Dennoch hat die hysterische Terror-Angst in der 'ehemaligen BRD', in Verbindung mit der von den USA aufgezwungenen Stationierungen neuer Mittelstreckenraketen um 1980, dazu geführt, dass sich die Zielgruppe innerhalb der Bevölkerung von der SPD distanziert hat, und dass der sogenannte »Neoliberalismus« freie Bahn bekam. Schade.

 

+

HIV und AIDS

Im Moment (2010 und später) geistern mal wieder neue Erkenntnisse und Annahmen durch den Info-Dschungel, nach denen HIV/AIDS schon lange als Krankheit existiert, allerdings erst in den 1980ern epedemisch auftrat. Kann sein, kann auch nicht so sein. Letztendlich ändert das nichts an der Tatsache, dass in den 1980ern plötzlich eine neue Krankheit zur Bedrohung wurde.

Auf der Suche nach der Wahrheit bleiben Irrwege nicht aus. Wenn zehn Verschwörungstheorien existieren, sind mindestens neun falsch, aber niemand kann mit Bestimmtheit sagen, welche davon eventuell doch einen wahren Kern hat.

1. »Gottes Rache an den Sündern« war eine der ersten dieser Theorien und wurde von Religionsfundamentalisten lauthals verkündet. Innerhalb der Gedankenwelt dieser Gruppe ist dieser Zusammenhang nicht unlogisch. Allerdings spricht gegen die Allmachts-Teorie des christlichen Gottes die Tatsache, dass nach zweitausend Jahren Verbreitung des Heiligen Geistes Christen weltweit immer noch eine Minderheit darstellen, und viele davon auch nur pro-Forma solche sind.

2. »Künstlicher Kampfstoff«: Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass Institute im Auftrag von Militärs an biologischen Waffen forschten, und dass HIV/AIDS bei rascherem Erkrankungsverlauf genau das gewesen wäre, was man dort zu finden hoffte: Biologischer Overkill zu günstigen Preisen. Es gab auch Experimente an Gefangenen, die bei Überleben amnestiert wurden. Nur ob genau dieses Virus hier im Spiel war, und wenn ja, ob hier die Ursache der Verbreitung lag, weiß niemand.

3. »Nebenwirkung neuer Drogen«: Fakt ist, dass die erste Epedemie in Kreisen auftrat, wo neue synthetische Drogen konsumiert wurden, die das Immunsystem schwächen. Vielleicht kam es aus diesem Grund zur Massen-Erkrankung, vielleicht erleichterten die Drogen die Ausbreitung, vielleicht auch nicht.

Die Ausbreitung der Syphilis in Europa um 1500 verlief ähnlich. Nach Erstkontakt mit dem lokal neuen Erreger (man geht davon aus, dass es verwandte, aber weniger aggressive Erreger schon seit der Antike bekannt waren) ging die Ausbreitung rasend schnell, mit exponentiellem Wachstum. Seeleute steckten Prostituierte an, diese Söldner, diese mitreisende Prostituierte sowie Vergewaltigungsopfer ihrer Kriegszüge. Alles in allem waren bestimmte Gruppen besonders stark betroffen, ähnlich wie bei HIV/AIDS heute. Sie hatten gemeinsam, immer wieder über neue Wege in Kontakt mit dem Erreger zu kommen – ganz ähnlich funktionieren unsere jährlich auftretenden »Grippe-Wellen«. Über die Jahre starben die aggressivsten Varianten der Syphilis langsam aus, weil die zur Verbreitung notwendigen Menschen nicht lange genug überlebten, und aufgrund ähnlicher Mutationen, die sie entstehen ließen.

Epedemien brauchen keine Kampfstoff-Labors zu ihrer Entstehung, können jedoch durchaus von dort stammen. Niemand weiß wie es sich hier im speziellen Fall verhält; somit wird es immer wieder neue Verschwörungstheorien geben (gezielte Durchseuchung von Feinden oder Minderheiten, versehentliche Verbreitung von Impfstoffen, die den Erreger enthalten, etc-pp).

Als höchst unwahrscheinlich kann man die These sehen, Menschenn hätten in den 1970ern das HIV-Virus gezielt erschaffen. Das kann nämlich heute noch niemand. Unsere derzeitige Gen-Technik macht nicht viel mehr als ein kleiner Junge, der an seinem Computer ein paar Teile austauscht, ohne die Gesamt-Funktionsweise des Gerätes auch nur annähernd erfasst zu haben. Beweis: »Pigweed« (eine Amaranth-Art, die sich durchaus nutzen ließe) kupfert sich die Resistenz gegen das Herbizid Glyphosad von gen-manipulierten Pflanzen sehr erfolgreich ab, und keiner kann das erklären …

 

+

Die »Mondlandungs-Lüge«

vgl. Artikel bei 'Raumfahrt' / Inhaltsverzeichnis

1957 schickte die UdSSR den ersten künstlichen Satelliten überhaupt um die Erde. Für die USA, die sich für die technologisch fortgeschrittenste Macht gehalten hatte, war das ein Schmach-Erlebnis sondersgleichen.

1958 wurde das Mercury-Programm beschlossen; damit sollte erstmals ein Mensch ins nahe Weltall vordringen. Im Mai 1961 startete der erste US-Pilot in den Orbit – nur leider einen Monat später als sein Kollege aus der UdSSR. Einen kompletten Orbit, wie ihn Gagarin 1961 flog, schafften die Amerikaner erst im Februar 1962 mit der Mercury 6; genau genommen waren es drei komplette Orbits, doch die Russen hatten mit Wostok 2 ein halbes Jahr vorher bereits 17 Umkreisungen am Stück vorgelegt.

Im Juni 1960, also ein Jahr vor dem ersten erfolgreichen bemannten »Raumflug«, beschloss die NASA das Apollo-Programm und den Flug zum Mond. Am 25. Mai 1961, kurz nach dem ersten erfolgreichen bemannten Flug der Mercury 3, hielt Kennedy die berümte Rede, in der er die Mondlandung innerhalb des laufenden Jahrzehnts ankündigte.

Im Dezember 1968 sollte die neue Rakete Saturn 5 die Apollo 8 samt Landemodul für einen Probeflug zu einer Mond-Umlaufbahn bringen. Praktisch in letzter Minute verzichtete man auf das Landemodul, um die Saturn 5 erst einmal ohne volle Last zu testen. Wer dahinter ein nur mäßiges Vertrauen in die neue Rakete vermutet, hat Recht.

Im März und im Mai 1969 fanden Tests mit dem Landemodul statt; bei Apollo 9 wenig spektakulär im Erd-Orbit, bei Apollo 10 in der Mond-Umlaufbahn.

Am 20. Juli 1969 landete »Eagle« im Rahmen der Mission »Apollo 11« auf dem Mond. Eine wirklich unglaubliche Geschichte.

 
Zond

Nicht nur die USA planten in den 1960ern eine bemannte Mondlandung, sondern auch die UdSSR mit ihrem Programm »Zond«. Über Einzelheiten widersprechen sich die Quellen; das Vorhaben unterlag höchster Geheimhaltung, hatte jedoch ganz sicher mit immensen Problemen zu kämpfen. Immerhin gelang »Zond-5« Ende September 1968 eine unbemannte Mond­umkreisung. Doch die USA waren weiter und umrundeten drei Monate später mit der Apollo-8 den Mond bemannt. Die UdSSR legten daraufhin ihr Programm auf Eis.

Dies ist der härteste Beleg gegen den Vorwurf einer nur inszenierten US-Mond­landung: warum in aller Welt hätten die Russen dabei mitspielen sollen, mitten im Kalten Krieg, lange vor den ersten diplomatischen Treffen zwischen Ost und West?

Wenn an den Vorhaltung Kaseys nur ein Funken Wahrheit 'dran' gewesen wäre, wäre der KGB gewiss nicht untätig geblieben …

Bill Kaysing

Bill Kaysing war von 1957 bis 1963 als leitender technischer Redakteur bei einer Firma beschäftigt, die Triebwerke für die Saturn 5 baute. Die Phase der Konstruktion, fünf Jahre vor dem ersten Flug, muss ein Debakel gewesen sein. Kaysing glaubte nicht daran, dass das Ding jemals funktioniert, und formulierte später die These, dass die Mondlandung niemals stattfinden konnte. Mit der Ansicht, dass die NASA absolut keine Erfahrung hatte, die ein solches Unternehmen zum Erfolg führen kann, hatte er Recht. Immerhin handelte es sich um den ersten Versuch einer bemannten Mondlandung. Andererseits hat er die Firma 1963 verlassen, also deutlich vor den ersten erfolgreichen Tests der Triebwerke.

Im Folgenden versuchte Kaysing, den Nachweis zu führen, dass der Mondflug niemals wirklich stattgefunden hatte – und verrannte sich bei der Suche nach Indizien gewaltig. Vor allem mit der Argumentation aufgrund vermeintlicher Fehler auf den Fotos lag er komplett daneben (vgl. Artikel »Die Mondlandung – nur Kino?«, Inhaltsverzeichnis bei »Raumfahrt«). Immerhin verkaufte sich sein Buch darüber sehr gut. Seit 1976 werden Kaysings Thesen stetig weiter verbreitet.

Kaysings Thesen wurden bereitwillig übernommen und um andere Punkte erweitert, etwa die Strahlungswerte in der oberen Magnetosphaere (Van-Allen-Gürtel), die Größenordnungen annehmen können, die beim Durchfliegen zum sofortigen Tod führen. Können ist das Schlüsselwort; es handelt sich um lokale Maxima. Quelle für die Werte ist die NASA, die eben dies im Vorfeld mit diversen Sonden untersuchte. Somit war die NASA wohl auch in der Lage, die Flugbahn um die Stellen mit den gefährlichsten Strahlenwerten herum zu führen.

 
Fazit

Im Fall der Apollo-Mondlandungen können wir der NASA ruhig glauben. Keine der Kritikpunkte der Verschwörungs­theoretiker schließt die Flüge wirklich aus. Was allerdings klar wird: Der Mondflug war alles andere als ein Spaziergang, wie er damals präsentiert wurde, sondern ein unglaubliches Wagnis.

Die Mondflüge waren riskant, sehr riskant. Doch die weltpolitische Situation war auch mehr als riskant – die UdSSR hatte gerade den Aufstand in der CSSR niedergeschlagen, an der Grenze zu China kam es zu Kämpfen, und die USA waren im Vietnamkrieg nicht gerade in guter strategischer Lage; die Bevölkerung begann zu rebellieren. Der »Kalte Krieg« zwischen den USA und der UdSSR konnte jederzeit zum Atomkrieg werden, einige NATO-Staaten wollten das nicht mehr mittragen. Die CIA war einer der entscheidendsten Machtfaktoren innerhalb der USA, sie konnte jenseits von Recht und Gesetz agieren, man traute ihr alles zu.

Also setzten die USA alles daran, wenigstens den Wettlauf zum Mond zu gewinnen und damit ein Zeichen für die eigene Größe zu setzen – Preis und Risiko waren dabei kein Thema. es gab im Anschluss daran kein vergleichbar waghalsiges Projekt dieser Größenordnung mehr. Kein Wunder, dass man im Nachhinein zweifelte, ob das alles wirklich so stattgefunden hatte.