… wie Verschwörungstheorien entstehen …

 

PlasmaPlasma-Kugel: Hier leuchtet etwas, das nach oberflächlichem Anschein gar nicht existiert. Ein klassisches Gegenbeispiel zu Verschwörungen, wo gravierende Dinge passieren, ohne dass man davon etwas sieht …

Organisationen zwischen Lobby und Verschwörung

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die Begriffe

Beide Begriffe stammen aus dem englisch-amerikanischen Kontext und klingen für uns etwas seltsam. Das bedeutet jedoch nicht, dass sie nicht relevant wären.

Lobbyismus In der »Lobby«, einer Vorhalle des britischen Plenarsaals, gab es die Gelegenheit, direkt mit Abgeordneten zu sprechen bzw. Einfluss auf diese auszuüben. Diese nach unserem heutigen Verständnis wenig demokratische Tradition hat sich weltweit gehalten und sogar ausgebreitet. Wenn der Eindruck entsteht, dass bestimmte Gesetze oder öffentliche Projekte nach Gusto oder verfügbaren Warenangebot großer Firmen ausgerichtet ist, so stimmt dieser Eindruck sehr oft mit realen Hintergründen überein. Kritisch wird die Sache, wenn z.B. die Rüstungsindustrie so einflussreich wird, dass jeder US-Präsident mindestens einen Krieg anfangen muss.

Verschwörung Diesen Begriff kennt unser Rechtssystem nicht. Er steht für heimliche Absprachen unter Kriminellen und gemeinsame Ausübung ihres Berufes. In weiterer Auslegung wird der Begriff auch für Absprachen im halbkriminellen Grenzbereich verwendet sowie im Zusammenhang mit Geheimdiensten, wo über absolut indiskutable Schiebereien immer wieder politische Situationen geschaffen werden, die niemand haben will. Nachweislich werden festgenommene »Terroristen« immer wieder mal als Geheimdienst-Mitarbeiter erkannt und freigelassen.

 

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noch ein Begriff: Verschwörungstheorie

Verschwörungstheorie Eine VT besagt, dass für ein bestimmtes Ereignis oder einen Miss­stand das absichtliche Wirken eines Einzelnen oder einer Gruppe ursächlich ist. Manche davon sind offensichtlicher Humbug, über andere sollte man nachdenken. Hier ein paar Beispiele:

Es ist also alles andere als einfach, Verschwörungstheorien zu beurteilen. Wahrscheinlich sind viele davon Selbstläufer – man denke nur an Geheimdienste und deren Verstrickung durch Kontakte zu anderen Geheimdiensten, durch V-Leute in der kriminellen oder sogar terroristischen Szene, allgemein durch Zustände, die sich durch das Wesen dieser Behörden als weitgehend rechtsfreie Gebilde zwangsläufig ergeben.

 

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buzz-words - ›socialism‹ usw

Wer sich z.B. bei Youtube die entsprechenden US-amerikanischen Beiträge zu Verschwörungs­theorien 'antut', wird viele Leute sehen, die über lange Zeit sehr logisch argumentieren, um dann plötzlich ihren politischen Bildungsmangel zu demonstrieren: Obamas Kranken­versicherungs-Pflicht ist ›socialism‹, überhaupt alles, wo es eine Wechselwirkung zwischen dem einzelnen ›free American‹ und anderen Leuten gibt.

Natürlich ist auch die Tatsache, dass bei McD alle Kunden das gleiche zu essen bekommen, purer ›socialism‹.

Es gibt noch mehr solche Worte, die für ›das Böse‹ stehen. Liberale, Kommunisten, Juden, Freimaurer, ›environmentalists‹ und noch viel mehr. Was uns als europäische Beobachter frappiert, ist der Umgang mit diesen Ausdrücken als reines Totschlags-Stichwort, oft komplett ungeachtet der tatsächlichen Wortbedeutung. Vielleicht ist es fair, wenn wir solche Dinge mehr als Folklore sehen und nicht unbedingt als Beleg für die Dummheit dessen, der so argumentiert. Zumindest die zweite Chance sei zugestanden …

Wer also entsprechende Beiträge bei youtube anschaut – z.B. die von Jim Marrs sind durchaus interessant –, soll sich einfach irgendeinen Kraftausdruck denken statt dieser buzz-words. Also: »For me, this iss complete [beep]!«

 

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die ›üblichen Verdächtigen‹

Schon im vorigen Absatz wurden einige der ›üblichen Verdächtigen‹ im Zusammenhang mit Verschwörungs­theorien genannt: Juden, Freimaurer, ›environmentalists‹.

environmentalists

Umwelt­schützer, haben dafür gesorgt, dass z.B. in Kalifornien (1960er) bereits strenge Regeln zur Abgas­entgiftung bei Fahrzeugen galten, als man in Europa noch vom ›Duft des Fortschritts‹ sprach. Wahrscheinlich war das auch damals umstritten, galt bei einigen Leuten als anti-freiheitlich, während andere die Auswirkungen der vielen Automobile in L.A. durchaus als negativ empfanden. Jedenfalls braucht man heute keinem Texaner zu erzählen, dass man aus Umwelt­schutz­gründen ein Windrad im Garten hat. Er hat zwar selbst eines, aber diese Beweg­gründe sind ihm fremd. A cowboy ain't a sissy.

Freimaurer - 'masonic'

George Washington war Freimaurer, außerdem rund 1/3 aller bisherigen US-Präsidenten. Die Dollar-Note ist voll von freimaurerischen Symbolen, die Gebäude der US-Hauptstadt auch. Auch die US-Verfassung beinhaltet freimaurerische Grundsätze, z.B. Gleichberechtigung aller Religionen, Fehlen der Stände und des Adels. Warum man sich nicht zu den Wurzeln bekennt, sondern Frei­maurern staatsfeindlichen Verschwörungen bezichtigt, ist unlogisch.

Juden

Von Anfang an sind Juden in die USA eingewandert; heute leben mehr Juden in den USA als in Israel, etwa 1/3 davon in New York. Kein Wunder, denn dort gab es Religions­freiheit, anders als in Europa. Natürlich wurden sie beargwöhnt, da sie traditions­gemäß unter­einander stark verbunden waren. Kurz: Wenn man sich mit Verschwörungs­theorien besch&auftigt, sind immer wieder ›die Juden‹ oder ›die jüdischen Banker‹ an allem möglichen ›schuld‹.

Jüdische Banker

Es ist keine Neuigkeit, dass die in der frühen Neuzeit aufstrebenden Gründer von Manufakturen und Kaufleute Europas ein Problem hatten: Christen war es verboten, für den Geld­verleih Gegenleistungen zu nehmen. Juden, denen zwar handwerkliche Berufe verboten waren, durften durchaus von Christen Zinsen nehmen und gründeten Banken. So war z.B. die Familie Rothschild maßgeblich am Werdegang der heutigen Finanz­metropole Frankfurt beteiligt; ironischerweise aufgrund ihrer Diskriminierung durch das Zunft­wesen. War da nicht offensichtlich eine Verschwörung im Spiel? Natürlich nicht. In den jüdischen Gemeinden legte man Wert auf Bildung, auf Zusammenhalt; auch unter den Gemeinden weltweit gab es rege Kontakte, Synergien. Eine entsprechende Dépendance in New York zu gründen, war für die Rothschilds und andere Bankiers dann nur ein logischer Schritt. Dort waren sie der örtlichen Konkurrenz immer ein paar Schritte voraus – aufgrund der Synergien. Es gibt keinerlei Notwendigkeit für eine Verschwörung unter jüdischen Bankern.

Und doch ist der Vorwurf allgegenwärtig. Zu Recht?

der Umgang mit der Hitlerei

1925 erschien 'Mein Kampf', ein zu wenig gelesener best-seller, in dem Adolf Hitler beschrieb, was er im Falle seiner Macht­übernahme mit den Juden Europas zu tun gedachte. Als diese sieben Jahre später erfolgte, war bekannt, was in besagtem Buch steht.

Nicht nur zu Anfang des ›Dritten Reichs‹ gab es jüdische New Yorker Bankiers, die fleißig Kredite gaben (teils aus US-patriotischen Beweg­gründen, um der UdSSR zu schaden), und andere, die das für eine riesige Ktastrophe hielten und in Washington dafür plädierten, dem ›Reich‹ so bald wie möglich den Krieg zu erklären. Es gab also keinen Konsens um den Umgang mit der Hitlerei, und insofern schon gar keine Verschwörung unter den Bankiers.

Insofern können wir davon ausgehen, dass es auch heute keine solche Verschwörung gibt, dass all diese Vermutungen wirklich Quatsch sind. Was wir erleben, ist das konkurrierende Machtstreben mehrerer Kartelle, die jedenfalls untereinander alles andere als konspirativ arbeiten. Gäbe es eine Verschwörung z.B. aller NY-Banker untereinander, wäre das Problem schon längst geklärt.

Cowboys and Yankees

Robert Anton Wilson hat etliche Bücher geschrieben, in denen die Themen Geheimbünde und Verschwörungen vorkommen, z.B. »Cosmic Trigger«. Eine seiner Theorien besagt, dass es nach wie vor einen Kampf zwischen Nord- und Südstaatlern gibt, also die reichen Dynastien jeweils in beliebiger Kombination gegeneinander: ›Texas oil‹ - ›New York bankers‹ - ›cotton farmers‹ - ›world traders‹, natürlich auch Rüstungsindustrie gegen Konsumartikel-Produzenten usw. Dazu kommt, dass die jeweiligen Gruppen obendrein untereinander verfeindet sind und gegeneinander arbeiten (vgl. J.R. Ewing vs. Cliff Barnes, TV-soap 'Dallas'), so dass die wechselseitigen Verschwörungen sich mehr oder wenig ausgleichen.

Natürlich handelt es sich hier um Literatur und um eine provokative These, die möglicherweise nicht ganz ernst gemeint ist – aber die Idee wirkt dann doch sehr real …

Vielleicht ist es wirklich so, dass es keineswegs *eine* große Welt­verschwörung gibt, sondern viele konkurrierende kleine, die ihr eigenes Wirken als ›lobbying‹ verharmlosen, sich zum Glück aber gegenseitig blockieren.

 

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Geheimdienste

Geheimdienste

... sind per se verschwörerisch, wenn auch im Regierungsauftrag tätig. Sie arbeiten, wie der Name schon sagt, im Geheimen, je nach Gusto für oder gegen Regierung, Vernunft, Volk, Öffentlichkeit, Frieden und all das.

Fest steht, dass z.B. im Fall 9/11 Geheimdienste mehr wussten bzw. wissen als davon je ans Licht gekommen ist oder kommen wird. Ob CIA und / oder Mossad den Attentätern den Weg geebnet haben (oder gar selbst die Täter waren), wird man nie erfahren. Sicher ist, dass diese Dienste mehr wissen als sie zugeben. Nun ja, das *ist* nun mal das, was man unter dem Begriff ›Verschwörung‹ versteht …