Aleister Crowley gilt als der  Begründer der neuzeitlichen Esoterik. So umstritten er als solcher ist, so produktiv war er als Privatforscher und kreativer Mensch. Seine Botschaft …

»do what thou wilt shall be the whole of the law«

… macht neugierig …

… und sie bedeutet keineswegs: »mach jeden Scheiß, der dir gerade einfällt«, denn sie geht noch weiter:

»love is the law, love under will«

 

Aleister CrowleyAleister Crowley, nach einem alten Foto

Aleister Crowley

Crowley war und ist sicher eine der prominentesten wie auch umstrittensten Persönlichkeiten der »Magie«- und Esoterikszene. Geboren 1875, tritt er 1898 auf Vorschlag von Julian L. Baker in die Loge »Golden Dawn« ein und wird schon bald zu einer der wichtigsten Forscher für Okkultes, aber auch Meditation und altes Wissen. Bekannt sind seine Tarotkarten, seine Extreme in allem was er tat, sein Wissensdrang, seine Exzesse. Weniger bekannt ist der Terror, dem er in seiner bigott-christlichen Erziehung ausgesetzt war.

Mehr zum Thema: Crowley-Lyrics 

+

666

Er kokettierte gerne mit dem »Satanischen«, war als »das Tier 666« bekannt – ein Name, den ihm seine Mutter(!) gegeben hat, zur Strafe für »gotteslästerliches Benehmen«. Sein Hass gegen die Kirche ist nicht weiter verwunderlich. Mit dreizehn Jahren kam er in ein streng »christliches« Internat, wo er wegen pubertärer Spielchen mit Mitschülern die meiste Zeit bis zu seinem Ausschluss zwei Jahre später in Isolation gehalten wurde, also ständig eingesperrt war, ohne menschliche Kontakte – man hätte eher die Lehrer einsperren sollen, die Kinder derart missbrauchen.

 

+

Schweine und Gutmenschen

Crowley wird noch von heutigen Esoterikern gefürchtet, so schrieb das nicht mehr betriebene Online-Esoterik-Lexikon »Maga Kirú« die nicht gerade freundlichen Sätze: »Noch nie lagen Kreativität und widerwärtigster Ekel so nah beieinander wie bei Aleister Crowley. … Er war ein Schwein und Magier gleichermaßen und tanzte ständig zwischen Magie und Wahnsinn. Wohl kein Mensch hat so viele Freunde ausgenutzt und mental vernichtet. … Während das Werk Crowleys Teile enthält, die durchaus wertvoll sind, ist sein Leben das Leben eines intelligenten und grenzenlos abartigen und primitiven Schweins.«

Statt Schweine zu beleidigen, wollen wir hier bei SMI²le lieber das Werk betrachten und moralische Wertungen den eher selbstgerechten Zeitgenossen überlassen.

Do what thou wilt shall be the whole of the law.

»Das Gesetz in seiner Gesamtheit möge lauten: Tue das, was dein wahrer Wille dir sagt.«

Crowley über sein oberstes Gesetz

Wer ohne Furcht vor dem »Bösen« seine Werke liest, wird feststellen, dass sein schlechter Ruf zum großen Teil aus Bewertungen von Neidern und verärgerten Logenbrüdern entstammt – Crowley hat Geheimrituale veröffentlicht und auch sonst sehr viel getan, was seine »Brüder« bis ins Letzte gestört hat. Was allerdings stimmt, ist, dass er im Umgang mit anderen Menschen nicht gerade feinfühlig war. Wie sollte er auch, wenn man die Biografie seiner Jugend betrachtet.

Genauso wenig Gnade wie Anderen gegenüber hatte er gegen sich selbst: So sei davor gewarnt, Crowleys Techniken ohne entsprechende Erfahrung und Begleitung durch noch erfahrenere Leute auszuprobieren – »it's heavy stuff, really«.

»Intelligence Increase« bedeutet für uns, dass wir uns selbst ein Bild machen und uns nicht auf die Institutionen verlassen. Schon gar nicht bei einem Menschen, der Institutionen an sich mehr gehasst hat als man sich das vorstellen kann. Leser haben angefragt, warum wir immer wieder »eine Lanze für Crowley brechen«: Genau das ist der Grund. Wir wollen keine Bewertungen übernehmen, schon gar nicht die von Neidern. Sein Werk ist mehr als beachtenswert, und die Zeitgenossen, die er schlecht behandelt hat, wussten, mit wem sie sich einlassen. Klingt hart, ist aber so.

 

+

Wie kann man Aleister Crowley beschreiben?

Crowley pflegte seine Korrespondenz zu überschreiben mit »Das Gesetz in seiner Gesamtheit möge lauten: Tue was dein wahrer Wille ist« und zu unterschreiben mit »Liebe ist das Gesetz, Liebe unter Willen«.

Zum Verständnis Crowleys: Er ist keineswegs der, der das Böse und das Satanische predigt, sondern eher ein Opfer davon – insbesondere in oben erwähntem Internat. So blieb ein lebenslanger Hass auf Lehrer – er wollte selbst nie als solcher bezeichnet werden, wollte auch nie, die, die bei und von ihm lernten, als »Schüler« verstehen. Größer noch war sein Hass auf Pfaffen – deshalb kokettierte er stets mit der Bezeichnung »Antichrist« oder »666« . Dabei war seine Hauptaussage immer »tue niemandem Leid an«.

Sehen wir in ihm nicht den bösen Satanisten – eher den Geprügelten, der seinen Peinigern im Nachhinein zeigen wollte, wo die Krabben überwintern. Sicher war er gnadenlos gegen sich selbst wie gegen andere – wovon er überzeugt war, das setzte er um. Vom klassischen Begriff des Diktatoren unterscheidet aber, dass er seine Mitmenschen achtete – den freien Willen des Einzelnen, die Rechte des Individuums: kein Zwang, keine Vergewaltigung.

Gut möglich, dass er das »Stop!« hören wollte, ausreizte, wann andere Menschen endlich mal sagen, wass sie wollen und was nicht. Ein lieber und einfühlsamer Typ war Crowley bestimmt nicht. Er war ein Exzentriker, immer auf der Suche nach der Wahrheit, nach der Freiheit, nach der Menschenwürde.

Ganz sicher kannte er das, was ihm seine Gegner als »negative Schwingungen« ankreiden, aber das waren ganz sicher nicht seine Ur-Eigenen, sondern die, die er von der vorgeblich »guten« Seite erfahren musste. Im Spektrum der Auswirkungen solcher Erziehungspraktiken gibt es eigentlich nur zwei sehr entgegengesetzte wahrscheinliche Resultate: Die Einen zerbrechen, die Anderen werden radikalisiert.

Crowley wurde zum Kämpfer, den alle, die ihn nicht verstanden haben, heute noch fürchten.

 

+

Gott erschlagen?

Golden Dawn Tarot (1-15)
Crowley Tarot (16-27)
tarot

<<   <------>   >>

slaying even god, should he distract, thy attention from the chosen act

Verse wie diesen (sogar Gott [er]schlagen, sollte er dich davon ablenken, was du unbedingt tun willst) muss im Zusammenhang damit sehen, dass für ihn der wohlüberlegte Wille das wichtgste war – und somit die Stelle der Idee des Göttlichen einnahm. Diese Radikalität galt immer und überall. So ließ er Entwürfe für seine Tarot-Karten wieder und wieder neu malen, bis sie ihm endlich gefielen – das Ergebnis spricht für sich.

Die Mitglieder von »Golden Dawn« und »OTO« haben ihre Tarotkarten selbst gemalt, ihre magischen Instrumente wie Stab, Dolch, Schwert etc., selbst aus Sterlingsilber geschmiedet. Niemals hätten sie einen anderen Menschen diese Dinge berühren lassen. Bespielhaft beschrieben ist dies in der Szene »Divination of the Holy Guardian Angel« im Roman »Machtjunkies« (s. Inhalt - Projekte).

Unter anderem entwickelte Crowley praktische Meditationstechniken, Zazen nicht unähnlich, nur eben radikaler, härter – »mit allen Mitteln« sozusagen. Und durch nichts und niemanden dabei stören lassen: Dies sei illustriert an dem berühmten Rasierklingen-Beispiel: »Sie meditieren, indem sie sich zum Beispiel ein grünes Dreick vorstellen. Als Meditationshilfe liegt vor ihnen eine Rasierklinge. Wenn nun das Dreieck die Farbe wechselt oder die Form, so schneidet man sich mit der Rasierklinge in die Hand« – Blut und Schmerz als Meditationshilfe liegt wahrlich nicht jedem. Allerdings wurde niemand gezwungen, dabei mitzumachen.

Nicht zuletzt wegen seiner radikalen Tabulosigkeit wird Crowleys Name in ihm weniger gesonnenen esoterischen Kreisen mit bösen, gefährlichen Kräften in Verbindung gebracht:

Wie auch immer – eine interessante Persönlichkeit ist er auf jeden Fall. Und wesentlich kreativer als die vielen Gegner, deren Namen man heute nicht mehr kennt.

Noch ein Grund, warum SMI²LE »für Crowley Lanzen bricht«: Auch wir unterscheiden uns von unseren Gegnern durch Kreativität.

 

+

Magische Werke

MAGICK wurde als Begriff gewählt, um die Wissenschaftlichkeit des Ansatzes (im Gegensatz zur Bühnen-Magie) hervorzuheben. Die Methode beinhaltet Kabbalah, Sephiroth, Numerologie, Meditation, Joga, Astrologie, Tarot. Crowley wurde aus hermetischen Kreisen auch und gerade deshalb angegriffen, weil er alles erzählt hat. Mit »Magick« kann jeder, vorausgesetzt er investiert viel Zeit und Energie, all diese Dinge erlernen.

Science the method.
Religion the aim.

»Wissenschaft sei die Methode
Religion das Ziel.«

Crowley über »Magick«

»Liber AL vel legis« entstand in Kairo im Rahmen magischer Sitzungen. Eine Wesenheit namens Aiwass habe es diktiert. Crowley hat seinen Thelemiten verboten, dieses Buch zu interpretieren oder zu diskutieren. Auch unter dem Namen »Die heiligen Bücher von Thelema« bekannt.
Link: Auszüge¹ aus dem ersten Kapitel (deutsch), mit Tarotbildern von Lady Frieda Harris. Gefunden von Andreas Vlach, vielen Dank!

 

+

Poesie, Romane

 

+

Thelemiten

Crowley hasste das Wort »Schüler«. In Anlehnung an Thelema – griechisch, der Wille – setzte sich der Begriff »Thelemiten« durch.

Love is the law,
love under will.

»Liebe ist das Gesetz,
Liebe unter Willen.«

Crowley über Liebe

Regardie praktizierte unter dem Namen Dr. Franzis Regardie als Psychotherapeut; er wurde unter Israel Regardie als Kabbalist des OTO bekannt. Mit 20 Jahren (1927) wurde er Privatsekretär bei Crowley, später trennten sie sich im Streit, doch achtete er den Meister weiter hoch. 1937 veröffentlichte er in mehreren Werken die kompletten Geheimnisse und Rituale des Ordo Templi Orientis, da er den Zerfall des OTO und Verlust allen Wissens befürchtete, und schuf damit eine für uns heute einzigartige Dokumentation. Er entwickelte später ein eigenes psychotherapeutisches System auf der Basis der (an sich schon grundverschiedenen) Ansätze Jungs und Reichs einerseits und okkulter Theorien andererseits.

Parsons, enger Weggefährte Crowleys, war eine Zeit lang mit Hubbard befreundet, (der sich dann mit Parsons Frau und Geld aus dem Staub machte), fand dann zu Crowley zurück. Parsons war Chemiker, entwickelte Feststoffraketen und kam bei einem misteriösen Laborunfall ums Leben.

 

+

Umfeld

Ron L. Hubbard hielt sich längere Zeit im Umfeld des OTO auf. Ob er beitreten wollte (einige Quellen behaupten, ein Vorläufer von »Dianetik« sei als Aufnahme-Arbeit für den OTO entstanden), oder aus Neugier (er sah sich selbst jedenfalls als Privatforscher; ihn interessierte alles), wird unterschiedlich beurteilt. Wir wollen hier nicht Partei ergreifen. Sie haben sich wohl gegenseitig nicht gerade hoch gachtet – doch gibt es ein paar Gemeinsamkeiten: Beide strebten nach höherem Wissen und versuchten, Wege dorthin zu entwickeln. Was über Hubbard wenig geläufig ist – er wurde in entsprechenden Kreisen der USA unter anderem deshalb geächtet, weil er den Rassismus strikt ablehnte. Ebenso die Methoden der Psychiatrie (die seinerzeit im militärischen Bereich in Auswüchsen wie »mind control« gipfelten), was ihn dann zur Gründung einer (in den USA mit enormen rechtlichen Freiräumen versehenen) Kirche bewog. Die Methoden der Dianetik haben sich, da sie zum Glaubensgrundsatz erklärt wurden, wenig weiterentwickelt. Wir behaupten an dieser Stelle einmal ganz provokativ, dass man die Idee hätte aufgreifen sollen, statt sie im Endeffekt verbohrten Sektirern zu überlassen.

 

+

Crowley-Vorgänger

 

+

Literatur

Verwandte Gebiete:

 

+

Links¹

 

+

Nachbemerkung aus gegebenem Anlass

Crowley war nicht der, der den sadistischen Satanismus in die Welt gerufen hat oder auch nur befürwortet – auch wenn diverse Quellen das so hinstellen und dabei einer vom anderen abschreibt. Ein besonders wichtiger Anhaltspunkt dafür ist der hohe Anspruch, den Crowley an sich und an seine »Mitstreiter« stellte: Mit primitiv-sadistischen Spielchen hat das ganz sicher nichts zu tun (im Zweifelsfall diesen Beitrag nochmal lesen).

Selbstverständlich sind insbesondere angeblich christliche Sektierer sauer auf jeden, der z.B. Crowley neutral und fair zu betrachten versucht. Jede Zuschrift in dieser Richtung betrachten wir als besondere Ehre – anderweitige kritische Beiträge diskutieren wir gerne. Unser Vereinsziel ist, auch wenn das ein sehr schwierig zu erreichendes ist, die Wahrheitsfindung. Nicht mehr und nicht weniger.

Leute, die andere versklaven oder unterdrücken wollen, erfinden in der Regel ihren »Hintergund« niemals selbst. Sie sind einfach zu blöd dazu: Sie klauen hier, dort und überall, wo es etwas zu klauen gibt – und bringen so manchen dadurch in unverdienten Misskredit. So ist fanden z.B. Friedrich Wolf*s Thesen zur modernen medizinischen Gesundheitsvorsorge per Plagiat in diverse Nazi-Schriften Eingang. Ist ihm das anzulasten, ihm, den die Nazis als Jude und Kriegsgegner verfolgten? Wohl kaum.

 

* Friedrich Wolf, 1888-1953, Sohn eines jüdischen deutschen Kaufmanns, war ein bedeutender Arzt und Protagonist der Hygiene. Er dissertierte schon 1912 über die Krankheit »Multiple Sklerose«. Im ersten Weltkrieg war er Schiffsarzt und verweigerte anschließend den Kriegsdienst, emigrierte nach 1933 mehrfach aus Deutschland und später besetzten Gebieten, beteiligte sich dann am Aufbau der DDR, wo sein Sohn Markus später ein hohes Staatsamt bekleidete. Dennoch ist seine Lehre, so komplett sie die Zielgruppe kapieren konnte, in die Nazi-Ideologie eingegangen, speziell in die »KdF«-Bewegung und in das berühmte Goering-Zitat bezüglich heller und luftiger Wohnungen, die nach der Bombardierung eine ungewollt zynische Bedeuting erlangte.

 

 


 

»love is the law, love under will«

Motto – A. Crowley