Joseph WeizenbaumJoseph Weizenbaum, Pressefoto »Rebel at Work«

Joseph Weizenbaums berühmtes KI-Demo-Programm »Eliza« von 1966 (!), hier in einer Javascript-Fassung (als freie Software von Norbert Landsteiner, 2005) zum direkt ausprobieren. Damals glaubten sich die Leute einer Maschine gegenüber, die wirklich versteht, was sie mit ihr »reden« – und es ist heute noch faszinierend …

 

Joseph Weizenbaum, »Eliza«

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Wer ist Eliza?

Für seine Demo wählte Weizenbaum folgendes Szenario: Man redet mit einer Analystin, die für den Berufsstand typische Antworten gibt bzw. Gegenfragen stellt. Er muss solche Leute in seinem Bekanntenkreis gehabt haben, denn die Simulation ist verblüffend echt gelungen.

Um »Eliza« haben sich regelrechte Legenden geschlungen, was so ein Computer alles kann. Vermutlich hat das sogar zum späteren Verkaufserfolg der ersten PCs beigetragen …

… obwohl die ja kaum etwas anderes konnten als Zeit und Strom verbrauchen.

 

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ELIZA online

»Eliza« spricht natürlich englisch. Der Wortschatz, den sie versteht, ist natürlich begrenzt, – aber auf ein paar Begriffe reagiert sie erstaunlich lebensnah!

 

 

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Links

Das »Eliza«-Javascript stammt von Masswerk.at¹ – dort gibt es auch noch weitere Erklärungen zur Programmiertechnik.

Ein schöner Nachruf¹ auf Josef Weizenbaum; unter anderem geht es thematisch um »Eliza«: »Die Software simulierte ein psychoanalytisches Gespräch in schriftlicher Form. Da viele Versuchsteilnehmer tatsächlich annahmen, mit einer intelligenten Person zu kommunizieren, interessierten sich alsbald Psychologenverbände für den Einsatz der Software innerhalb der Psychotherapie. Weizenbaum zeigte sich schockiert darüber, dass formale Regeln, nach denen er Eliza programmiert hatte, mit Intelligenz verwechselt werden konnten.«

 

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Wie funktioniert ›Eliza‹?

Zumindest vorerst wird es hier keine komplette Analyse des Programms geben. Obwohl … das Programm ist phaszinierend. Wer hier ewig langen Code vermutet, liegt falsch; das konnten die zur Entstehungszeit – 1966! – noch gar nicht leisten. Umso genialer ist Weizenbaums Umsetzung seiner skurrilen Idee …

›Eliza‹ reagiert auf Schlüssel­begriffe

Wörter, die mit x anfangen, stehen für Gruppen von Ausdrücken, die gleich behandelt werden (z.B. solche, die das Programm nicht kennt).

Hier eine (unvollständige) Liste:

… zu einigen Wörtern existiert eine Liste von Synonymen, damit wirkt das Ganze umso lebensnaher:

… die einzelnen Schlüsselwörter lösen bestimmte Antworten aus – dabei wird nach dem Zufallsprinzip eine von mehreren zugeordneten Reaktionen ausgewählt. Hier die Antworten auf »computer«:

Dabei reagiert das Programm jedoch nicht nur auf jeweils einen einzelnen Begriff, sondern kann einfache Zusammenhänge herstellen – teils aus vorgegebenen Bausteinen wie i remember, you remember, do you remember oder Wort-Kombinationen, z.B. i dreamed mit einem weiteren relevanten Begriff, z.B. ornella muti: das wird in diesem Zusammenhang als Eigenname erkannt und bei der Antwort verwendet.

Wie ›Eliza‹ das jeweils genau macht, untersuchen wir vielleicht später mal. Auf jeden Fall sagen wir »Vielen Dank!« an Norbert Landsteiner, der das Original-Programm in JavaScript umgesetzt und zur Verfügung gestellt hat …