Kunst, im Sinne bildender Kunst im Gegensatz zu Literatur und Musik, ist ein völlig unnötiger Luxus, den sich die Menschheit gleichwohl weit Anbeginn leistet. Im letzten Jahrhundert war abstrakte Kunst modern und hoch umstritten, dabei ist das wirklich nichts neues. Eine kleine blasphemische Betrachtung des Themas …

 

Coco artEin um 1957 entstandenes Bild des malenden Schimpansen »Coco«. Seine Werke wurden teils hoch gehandelt, auch Picasso soll eines in seiner Sammlung gehabt haben.

Kunst … darstellende und abstrakte Kunst

Viele Generationen haben die Welt gesehen, ohne dass es zu einer einheitlichen und verbindlichen Definition des Begriffs »Kunst« kam. In der Tat ist die Sache sehr einfach: Kunst ist unnötig, man kann sie weder essen noch trinken. Kunst ist Luxus, Kunst ist ein Spiel mit der Wahrnehmung. Kunst ist etwas, das man nach Belieben schaffen kann, oder auch darauf verzichten.

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Kunst

Die technische Qualität nachstehender Bild-Details bitten wir aufgrund der Gegebenheiten mit Nachsicht zu bedenken.

Wer 20 kg Ausrüstung mit in die Münchner Pinakotheken schleppt, beispielsweise, dem glaubt man kaum, dass dies für private Zwecke erfolgt – oder auch für einen etwas durchgeknallten Verein, dessen Ziel es ist, zu hinterfragen, was man hinterfragen kann. Wenn man nicht aufpasst, kommt der Arzt.

Also: Wenig Licht, um die Bilder zu schonen, Blitz verboten, und den Overkill stellen die spiegelnden Glasscheiben vor den besonders wertvollen Exemplaren dar. Aber immerhin kann man sie aus der Nähe betrachten, es gibt keine Sperre in vier Metern Entfernung wie bei anderen Museen.

Kunst, meinte dereinst ein Pädagoge, käme vom Wort »können«, nicht von »wollen« sonst hieße es »Wulst«. So einfach sei die Sache nicht, meinte der Literatur lehrende Kollege, sonst hieße das, was man über dem Gürtel mit sich herum trägt, doch »Frist« und nicht »Wulst«.

1:0 für den Literaten mit der Wulst.

In den späteren 1950er Jahren machte ein malender Schimpanse Schlagzeilen. Coco malte nicht gegenständlich, sondern experimentierte mit Farben und Formen, offensichtlich durchaus dessen bewusst, was er tat.

Während die Fachwelt stritt, ob das denn Kunst sei, hängte sich der große Picasso ein Werk des ›Kollegen‹ an die Wand.

Picasso hatte offensichtlich keine Berührungsängste; das Bild gefiel ihm einfach. Wir wollen das genauso handhaben.

 

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alte Meister

Alte Meister – was zeichnet sie aus?

Ganz blasphemisch gesagt, haben die »alten Meister« den Vorteil, dass nur ihre besten Werke der Nachwelt überliefert sind. Schrottige Experimente eines Tizian, da Vinci oder Rubens, sofern es solche gab (man kann davon ausgehen, warum auch nicht?) hat niemand aufgehoben. Missglückte Stücke »angesagter« Künstler der Gegenwart dagegen findet man in jeder Sammlung, auf jeder Aktion.

TizianoHippie-Art, Photorealismus oder Romantik, von wann stammt dieses Bild? Alles falsch: Tizian, Tiziano Vecellio da Cadore, hat das gemalt, vor ziemlich genau 500 Jahren ...

Allerdings sind alle diese nicht nur Protagonisten einer bestimmten Sicht- und Malweise. Entgegen der üblichen Darstellung in der Kunstgeschichte finden wir streng naturalistische Elemente ebenso wie Abstraktion und dekorative Verfremdung weit vor der Zeit, da diese jeweils die bildende Kunst bestimmten. Man muss nur einmal genauer hinsehen.

Auch die Ansicht, es habe in den einzelnen Epochen ganz bestimmte typische Themen gegeben, muss man relativieren. Natürlich überwiegen in den erhaltenen kirchlichen Sammlungen bilische Szenen, in denen der Herrscherhäuser Portraits, historische sowie Kriegs- und Jagdmotive. Und zwar quer durch die Zeitalter der Kunstgeschichte.

 

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abstrakte Kunst

Abstrakte Kunst – ein alter Hut?

Die Antwort heißt eindeutig »JA«. Schon Höhlenmalereien zeigen abstrakte und detaillierte Elemente nebeneinander; die Abstraktion gehört zum Menschen dazu. Die Motive mögen verschieden sein: Wenn reiche Jagd beschworen werden soll, wird die erhoffte Beute detailliert gezeichnet und der Jäger als Strichmännchen (vgl. Altamira-Höhle, s. Suchmaschine). Wenn die Funktion der Abbildung eher eine eine dekorative als eine realistische sein soll, wird abstrahiert. Wenn die Religion das Abbild des Lebendigen untersagt, wird noch stärker abstrahiert (vgl. Kunst im Islam). Und so weiter. Alte Hüte sind nun mal zeitlos.

H. BoschH. Bosch Das hier (zwei Ausschnitte aus dem gleichen Bild, links) ist doch bestimmt unter LSD-Einfluss entstanden, in New York vermutlich? Auch falsch. ›Hieronymus Bosch‹, Jeroen Anthoniszoon van Aken, hat das 500 Jahre vor der ersten LSD-Synthese gemalt …

 

Abstrakte Kunst der Moderne

Warum gibt es zeitgenössische abstrakte Kunst? Weil die Kreativen es nicht besser beherrschen? Ganz bestimmt nicht. Den handwerklich schlechten und an Ideen armen Maler erkennt man im Gegenständlichen wie im Nicht-Gegenständlichen. Jedenfalls nach Betrachtung des fünften Werkes. Es gibt Museen, da kann man diese These selbst nachprüfen.

Sehen wir uns Tizianos Portrait (oben bei ›alte Meister‹) an. Das sieht sehr realistisch aus, wie gut fotografiert, und bringt doch eine ganz besondere Stimmung herüber: Es handelt sich um einen Freund des Künstlers, den er so portraitiert hat, wie er ihn wirklich sah. Seine Auftragsarbeiten, z.B. Fürsten-Portraits, sahen anders aus, eben so wie der Auftraggeber gesehen werden wollte.

Gegenständliche Kunst – Fotografie und Malerei

Heute ist das Portrait – ebenso wie die detaillierte Landschafts- oder Stilleben-Darstellung – eine Domäne der Fotografie und entsprechend weniger interessant für die Malerei. Also konzentriert sich der Maler auf andere Themen: Auf Stimmungen, auf Experimente mit technischen Verfahren, auf Darstellung des Nicht-Fotografierbaren. Auf Dekoratives, auf Provokatives oder auf die psychologische Wirkung von Farben. Jede Zeit hat ihre bevorzugten, typischen Themen, und dennoch gibt es zu jeder Zeit alle Themen.

Würdigung der Kunst

Wie sollen wir damit umgehen? Ganz einfach: Womit wir nichts anfangen können, das dürfen wir getrost ignorieren. Und was uns gefällt, das hängen wir an die Wand; im Original oder als Reproduktion.

 

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Manfred Garstka

Als Beispiel eines Malers, der sich der abstrakten Kunst widmet, stellen wir euch Manfred Garstka vor.

(der Link über das Inhaltsverzeichnis wird gepflegt, auch nach Änderungen: Sollte der von hier aus nicht funktionieren, versucht es von dort aus)

Was ist das Besondere an Manfred Garstka?

Ganz einfach: Er hat uns Material zur Verfügung gestellt und erlaubt, Reproduktionen seines Schaffens zu veröffentlichen. Also machen wir das mit Freude.

Manfred GarstkaÜberdies hat er an der Wiener Universität bei einem Experiment mit LSD mitgemacht und erzählt von seinen Erfahrungen. Das interessiert uns natürlich insbesondere aus unserer Beschäftigung mit Timothy Leary her, der der Ansicht war, dass man mit Hilfe solcher Drogen in andere Welten vorstoßen könne.

LSD

Als Dreingabe zum Thema hier eine abschließende Bewertung zum Thema »LSD«

LSD ist eine hoch wirksame psychoaktive Droge. Nachdem Menschen Drogen und deren Auswirkungen individuell unterschiedlich empfinden und vertragen, geht die Bandbreite von »gar nichts besonderes gespürt« über »ganz nett«, »lustig«, »hey der Wahnsinn«, »hat meine Wahrnehmung komplett verändert« bis zu »wegen dem Scheißdreck bin ich im Knast / im Irrenhaus gelandet«. Die »Goldene Droge« gibt es also genauso wenig wie das Verfahren, aus Lehm Gold zu machen oder aus krimineller Energie elektrische Energie zu gewinnen. Schade eigentlich.