UFO-Literatur, Leseproben • Keyhoe – »Flying Saucers from Outer Space«, Buchkritik • Hesemann, »Geheimsache UFO, über den Fall Graham Bethune, Leseprobe

 

Keyhoe, flying saucersDonald Keyhoe, Flying Saucers From Outer Space

UFO - Literatur, Leseproben

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über die Bücher

 

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Buchbesprechung: Keyhoe – »Flying Saucers from Outer Space«

Aus den »Physikalischen Blättern« Nr. 13 (Januar 1955). Deutscher Buchtitel: »Der Weltraum rückt uns näher«. Aus dem Amerikanischen übertragen von E. Strohm.


»Die Perspektiven von Major Keyhoes Folgerungen sind von weit größerer Wichtigkeit als die Entdeckung der Atomenergie.« So steht auf dem Schutzumschlag des Buches … das nach anfänglicher Weigerung nun doch in den Phys. Bl. referiert werden mag, weil die UFOritis eine weit verbreitete Infektionskrankheit ist.

Sagen wir es rund heraus: Wenn nur einer der in dem Buch verarbeiteten zahllosen Berichte über die »Untertassen« auf Realitäten beruht, ja wenn auch nur die teils faksimilierten Schreiben der amerikanischen Luftwaffe wirklich die offizielle Ansicht wiedergeben, hat diese Veröffentlichung ein unerhörtes Gewicht.

Was sagen die Berichte und die amtlichen Schreiben?

Nachdem man erst kürzlich in einer deutschen Illustrierten von amerikanischen Geheimakten gelesen hat, wonach die Untertassen russischen Ursprungs seien, hat man kein rechtes Zutrauen mehr zu solchen Berichten, und mögen sie auch noch so bestimmt vorgetragen werden. Wenn das Buch wirklich eine Aufklärung über Flugobjekte interplanetarischer Herkunft sein soll und in gewissem Masse von der Air Force lanciert wurde, so wird man fragen: Warum geschieht das nicht in seriöser, direkter Form? Warum ist seit dem erwähnten, vorbereitenden Schreiben der Luftwaffe vom Januar 1953 kein Eingeständnis der Gefahr erfolgt? Eine offizielle Verlautbarung Eisenhowers würde Klarheit schaffen, und wichtig genug wäre dieses Problem schon, wenn es überhaupt ein Problem ist. Statt dessen ein reißerisches Buch von einem amerikanischen Major, der heute Journalist ist.

Man beginnt das Buch voll Erwartung zu lesen, ist überrascht und beeindruckt von dem Material. Doch je länger man liest, um so mehr schüttelt man den Kopf. Da erfährt man von unverständlichem Verhalten der Instanzen im Pentagon, oder es werden die sonderbaren Ansichten von »Wissenschaftlern« vorgetragen, wonach die Flugobjekte das magnetische Kraftfeld der Erde als Energiequelle benutzen (S. 165 ff.). Schließlich verfehlen auch die Fragebögen der Luftwaffe über unbekannte Flugobjekte und die Briefe des Verteidigungsministeriums ihre Wirksamkeit. Nein, eine Angelegenheit, »deren Folgerungen wichtiger sind als die Entdeckung der Atomenergie«, kann nicht in dieser Form publik gemacht werden! Also ein Buch analog zu Orson Welles Hörspiel von der Invasion der Marsbewohner, ein Buch fuer die reifere Jugend. Der kritische Leser aber wird andere Schlüsse ziehen, so dass die beobachteten Leuchterscheinungen schon wegen der Geschwindigkeits- und Beschleunigungsverhältnisse nichts mit Lebewesen zu tun haben, und dass, wären es doch welche, sie nicht jahrelang die Erde wie Mücken umschwärmen würden, ohne zu landen oder sich durch Signale verständlich zu machen. Nein, dies ist kein ernsthaftes Buch, sondern nur dazu geeignet, noch mehr Unruhe und Verwirrung zu stiften.     Br.


Letztendlich ein Verriss – zu wenig wissenschaftlich; Fakten, Gerüchte und Spekulation stark vermischt. Trotzdem ist das Buch spannend zu lesen. Was nun stimmt und was nicht, weiß letztendlich fast niemand. Und wer sich eine Meinung bilden will, muss die Quellen kennen.

Und hier wird der Autor der »Physikalischen Blätter« selbst etwas unwissenschaftlich – (Zitat: »Der kritische Leser aber wird andere Schlüsse ziehen, so dass die beobachteten Leuchterscheinungen schon wegen der Geschwindigkeits- und Beschleunigungsverhältnisse nichts mit Lebewesen zu tun haben«) – erstens handelt es sich nach den Zeugenberichten keineswegs nur um »Leuchterscheinungen», zweitens sind die beobachteten Flugfiguren kaum anders erklärbar als durch Manipulation von Schwer- und Trägheitskraft. Unter der Bedingung, dass diese Kräfte dort beherrscht werden, kann man davon ausgehen, dass die Insassen davon abgeschirmt werden.

Die Diskussion wurde also auch damals schon eher emotional als sachlich geführt.

 

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Michael Hesemann, »Geheimsache UFO, über den Fall Graham Bethune

Graham Bethune, einer der 21 »Blue Book«-Fälle

In der Nacht vom 9. auf den 10. Februar 1951 hatte Graham Bethune, ein junger Leutnant von 29 Jahren, eine viermotorige C-54-Transportmaschine der US-Marine von England nach Amerika mit Zwischenlandung auf Island und Neufundland geflogen. Bethune hatte zu diesem Zeitpunkt über 200 Transatlantikflüge hinter sich, war auf der Naval Air Station in Brooklyn, New York, bei einem Fliegergeschwader in Norfolk, Virginia, und schließlich auf dem Marine-Flugtest-Zentrum in Maryland stationiert gewesen, wo er sich für 38 verschiedene Flugzeugtypen qualifizierte.

Es war eine ruhige Nacht mit ausgezeichnetem Flugwetter. Obwohl der Mond längst am westlichen Horizont verschwunden war, blieb die Sicht gut. Der Himmel war klar, einzig ein paar dünne Wolkenfetzen hingen über dem Meer.

C-54 NavyDer Horizont war deutlich auszumachen, und von Zeit zu Zeit erkannte man noch den weißen Schaum, der die Wellen des Ozeans 10.000 Fuß unter dem Marineflieger bekrönte. Auf dem linken, dem Pilotensitz, saß Lt. Graham Bethune und überprüfte die schwach grünlich erleuchtete Instrumententafel. Die Geschwindigkeit lag konstant bei 200 Knoten oder 370 km/h. Es war 0.55 Uhr. Außer Bethune befanden sich sein Copilot Lt. Fred Kingdon und hinter ihnen ihr Navigator Lt. J.P. Koger im Cockpit. Hinten in der Maschine schlief eine weitere Crew als Ablösung für Bethune und Kingdon, zudem rund zwanzig Passagiere, meist junge Offiziere und Flugingenieure, die in die USA zurückkehrten.

Etwa dreieinhalb Stunden nach ihrem Start in Kevlavik, Island, mit Kurs auf Argentia, Neufundland, passierte die Maschine ein Wetterschiff, das vor der Küste von Grönland vor Anker lag. Ein Funkkontakt wurde hergestellt, der Wetterbericht eingeholt: Das Wetter sollte auch weiterhin klar bleiben, und so schaltete Lt. Bethune den Autopiloten ein.

Während er nach anderen Flugzeugen Ausschau hielt, fiel Bethune ein leichtes gelbes Glühen in Ein-Uhr-Position auf, vielleicht 70 Kilometer entfernt und eindeutig unterhalb des Horizontes. Eine kleine Stadt, dachte er sich. Da er die Südspitze Grönlands passieren würde, könnte das bedeuten, dass er sich verspätet hatte und vom Kurs abgekommen war. Dagegen aber sprach, dass er gerade das Wetterschiff überflogen hatte, das vor Grönland lag, er die Küste also längst hinter sich gelassen haben musste. »Sehen Sie die Lichter auf halb-eins-Position?«, fragte er Lt. Kingdon. »Schaut aus wie eine kleine Stadt«, meinte dieser. »Koger, überprüfen Sie unsere Position«, wies Bethune den Navigator an. »Bestätige: Position liegt bei 49,50 Nord, 50,03 West. Wir fliegen planmäßig und auf Kurs, 230 Grad. Argentia, Neufundland, ist 200 Meilen (320 km) entfernt. Kein Land weit und breit.«

Erst fünf Minuten später war die C-54-Crew nahe genug herangekommen, um zu erkennen, dass die Lichter ein Muster bildeten, ein kreisförmiges Muster. Noch waren sie rund 25 Kilometer entfernt. »Vielleicht zwei Schiffe? Überprüfen Sie die Schifffahrtspläne.« »Unser Kurs kreuzt keine Schiffahrtsroute«, erwiderte der Navigator. Das wurde bestätigt, als der Bordfunker das Wetterschiff um Auskunft bat. Auch dort war man sich sicher, dass keine Schiffe die fragliche Gegend befuhren. »Wecken Sie Jones und Meyer«, befahl Bethune Lt. Koger.

SkizzeAls die Reserve-Crew das Cockpit betrat, zeigte Bethune ihnen den Lichterring, der jetzt in nur noch zehn Kilometer Entfernung auf 1-Uhr-Position vor ihnen lag. »Das sind Schiffe«, meinten die Marinepiloten, während sie sich, noch schläfrig, die Augen rieben. »Haben wir schon überprüft, ist ausgeschlossen«, erwiderte Bethune. »Kein Schiff weit und breit.« Dann wurde aus dem Ring aus weißen Lichtern ein gelber Lichtkranz, dessen Farbe sich bald in orange, bald in rot veränderte, während er allmählich abhob und sich schließlich mit stetig zunehmender Geschwindigkeit auf die Marine-Maschine zubewegte. Bald hatte er eine violette Färbung angenommen und kam bedrohlich nahe. »Teufel noch mal, was ist das?«, staunte Jones. »Es rast auf uns zu!«, rief Koger, »es wird mit uns kollidieren.« Geistesgegenwärtig schaltete Lt. Bethune den Autopiloten ab, nahm das Steuer in die Hand, bereit, jeden Moment die Nase seiner Maschine nach oben zu reißen, um notfalls dem Objekt auszuweichen. Die Ersatzcrew ging in die Hocke, stützte sich an die Wände des Cockpits. Bethunes Hände zitterten. Er hatte Angst, so nahe war er dem Tod noch nie gekommen. Jeden Augenblick konnte er kollidieren. Er musste blitzschnell handeln.

Doch im selben Augenblick erkannte er, dass jedes Ausweichmanöver zwecklos war. Der leuchtende Ring konnte sie in jeder Position erreichen. Das Glühen, so sah er jetzt, kam vom Rande einer riesigen, kreisrunden Scheibe, die die Super-Constellation als Winzling erscheinen ließ. Für einen Augenblick hielt er den Atem an, wartete auf den Zusammenstoß, den Tod.

Doch plötzlich kippte das Objekt, wich dem Flieger aus, verlangsamte sein Tempo. In weniger als zweihundert Meter Entfernung, 35 Meter unter ihnen, blieb es auf 1.30-Position (45 Grad) stehen. Eine Minute lang hatten die noch immer atemlosen Navy-Piloten Zeit, es genauer zu betrachten. Es war eine mächtige metallische Scheibe, geformt wie eine Untertasse, umgeben von einem purpurroten, feurigen Ring, selbst in ein kaltes weißes Glühen gehülLt. Auf ihrer Oberseite war eine leichte Wölbung wie eine Kuppel erkennbar. Ihren Durchmesser schätzte die Navy-Mannschaft auf rund 80-100 Meter – mehr als das Doppelte der Flügelspannweite der Super-Constellation, die bei 39 Metern lag. Das Objekt musste mit der unglaublichen Geschwindigkeit von über 1600 Stundenkilometern auf die Marine-Maschine zugerast sein. Und nachdem es kurz neben ihr verharrt hatte, kippte es leicht nach oben und schoss in einem Winkel von 170 Grad davon, bis es in wenigen Sekunden in der Schwärze der Nacht verschwunden war.

»Das Ding war unglaublich«, meinte sichtlich erleichtert Lt. Bethune, »es muss mit über 2000 Stundenkilometern davongejagt sein.« »Was, zum Teufel, war das?«, fragte Lt. Koger. »Mit Sicherheit keine von unseren Maschinen«, war sich der noch immer kreidebleiche Lt. Jones sicher. »Es stand einwandfrei unter intelligenter Kontrolle«, glaubte auch Lt. Bethune, »es hat uns entdeckt und wollte uns überprüfen. Aber jetzt brauchen wir erst einmal eine Ablösung.« Lt. Jones und Lt. Meyer übernahmen das Steuer, während Lt. Bethune und Lt. Kingdon nach hinten in die Kabine gingen, um sich ein wenig auszuruhen. Dort diskutierte man heftig über den Vorfall. Die meisten hatten ihn durch die Kabinenluken beobachtet und selbst das unheimliche UFO gesehen. »Was glauben Sie, was es war?«, fragte Bethune den ranghöchsten Offizier an Bord, Commander Dr. M. »Ich habe nicht hingeschaut«, erwiderte dieser, »das war eine dieser fliegenden Untertassen, und an solche Dinge glaube ich nicht.«

Bethune ging zurück ins Cockpit. »Commander M. meint, es sei eine fliegende Untertasse gewesen. Wir sollten die Sache für uns behalten, sonst hält man uns noch für einen Haufen Verrückter.« »Zu spät«, erwiderte Lt. Jones. »Habe schon den nächsten Flughafen, Gander, angefunkt, gefragt, ob die was auf dem Schirm hatten.«

»Und, hatten sie?«

»Ja, sie hatten etwas in unserer Nähe auf Radar«, erklärte Jones, »aber sie konnten es nicht identifizieren. Ich sagte ihnen, dass wir es gesehen haben – und es mit Sicherheit kein Flugzeug war.«

Nach der Landung in Argentia, Neufundland, wurde die Crew der Super-Constellation bereits von Offizieren des Luftwaffen-Geheimdienstes erwartet. Jeder der Augenzeugen wurde separat bis zu zwei Stunden lang befragt, und die Fragen ließen keinen Zweifel daran, dass man sich ziemlich sicher war, dass die Piloten tatsächlich ein reales unbekanntes Flugobjekt beobachtet hatten: Wie nah kam es an Sie heran? Wie groß war es? Welche Steigungsrate hatte es? Bemerkten Sie irgendwelche elektronischen Interferenzen? Wie verhielten sich die leuchtenden Ringe? Hatten Sie den Eindruck, dass es bemannt war? »Mit Sicherheit stand es unter intelligenter Kontrolle«, antwortete Bethune, »und für eine ferngesteuerte Sonde war es doch ein wenig zu groß, nicht wahr?«

»Ich kann dazu nichts sagen«, erwiderte der Luftwaffen-Mann. »Aber was hat das alles zu bedeuten?«, wollte Bethune wissen, »bis jetzt hat uns die Luftwaffe doch immer erklärt, dass es keine fliegenden Untertassen gibt?«

»Es tut mir leid, ich darf keine Fragen beantworten«, antwortete der Nachrichtendienst-Offizier lakonisch.


Die Berichte, die nach den Aussagen der Offiziere verfasst wurden, gingen an das ATIC zur Project Grudge-Tochter "Project Twinkle". Als die Akte 1990 freigegeben wurde, glaubte Bethune, mittlerweile US-Navy-Commander im Ruhestand, seinen Augen nicht zu trauen. Denn im Abschlussbericht zu dem Vorfall hieß es, dass das riesige Objekt, mit dem seine Maschine beinahe kollidiert war, ein gewöhnliches Nordlicht gewesen sei (obwohl gewöhnliche Nordlichter gewöhnlich im Norden erscheinen, niemals im Süden, jedenfalls auf der Nordhalbkugel).

aus: Hesemann, »Geheimsache UFO«