Der Fall Mantell: UFO-Jagd mit tödlichem Ausgang. Hatte gar ein UFO auf ihn geschossen? Berichte zeitgenössischer Zeugen …

 

Thomas MantellThomas Mantell

Der Fall Mantell

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UFO-Jagd mit tödlichem Ausgang

Thomas Mantell, ein erfahrener Pilot der Kentucky National Guard, kam am 7.1.1948 nach einer UFO-Sichtung ums Leben (zum genauen Hergang vgl. »Mantells Unfall«, Inhaltsverzeichnis).

Der Fall Mantell ist insofern wichtig, weil hier erstmals ernsthaft diskutiert werden musste, dass ein UFO (was auch immer die Zeugen gesehen haben – da flog etwas Ungewöhnliches) eventuell auf ein Flugzeug geschossen haben könnte, dass es sich bei UFOs möglicherweise um einen neuen Agressor handeln könnte. Heute können wir das ausschließen; es war wohl ein Unfall.

Jedenfalls versetzte die Nachricht, dass UFOs plötzlich schießen, US-Militärs in panische Aufruhr. Flash Gordon und Buck Rogers thematisierten Begegnungen und Kämpfe mit Außerirdischen schon seit den frühen 1930er Jahren als Hefte, Comics und Filme (erwähne ich deshalb, weil man in Deutschland durch die Zensur davon nichts mitbekam und so deren Entstehung erst viel später einordnete).

Mantell gilt neben dem Luftkampf zwischen einer F-51 und einer Lichterscheinung bei Fargo (North Dakota) und die Sichtung eines »Raumschiffs mit beleuchteten Fenstern« von einer Passagiermaschine aus in der Nähe von Montgomery (Alabama) als einer der großen Klassiker der Aera nach der Sichtung durch Kenneth Arnold 1947 und dem Entstehen des Begriffs »flying saucer«.

 

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»True« magazine

Why don't they swimWhy in the hell don't the damn things swim so we can turn them over to the Navy

»True« war seit 1937 ein bekanntes Männer-Magazin in den USA – nein, keines wie die »St.-Pauli-Nachrichten«, sondern eines, das wirklich wichtige Themen behandelte wie Technik, jagen, angeln und Bier.

Im Januar 1950 war eine Auflage schon kurz nach Erscheinen ausverkauft – sie enthielt einen Artikel über Edward J. Ruppelt mit der These, bei den UFOs könne es sich um bemannte außerirdische Raumschiffe handeln. Ruppelt war in verschiedenen Projekten der US-Air-Force tätig (»Blue Book« sowie deren Vorläufer »Sign« und »Grudge«), deren Aufgabe war, Daten über unbekannte Flugobjekte, also eventuelle feindliche Neuentwicklungen, aber auch UFOs zu sammeln und auszuwerten.

Aufmacher war ein Zitat: »Warum zur Hölle schwimmen diese Mistteile nicht, dann könnten wir das an die Navy abgeben« (Why in the hell don't the damn things swim so we can turn them over to the Navy). Nun, das hätte ihm nicht allzu viel genutzt – er arbeitete später für die Navy.

Kurz vor besagtem Artikel war das Buch »The Report on Unidentified Flying Objects« von Edward J. Ruppelt erschienen, aus dem hier anschließend ein paar Passagen zitiert werden.

 

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Edward J. Ruppelt - The Report on Unidentified Flying Objects

Der Fall Mantell ging durch die Schlagzeilen – »Pilot jagt fliegende Untertasse: tot!«. Seine Tragödie vermischte sich mit UFO-Folklore, und wird oft in Zusammenhang mit lokalen Stories erzählt, in denen ein Flugzeug startet, um ein »Ding« am Himmel zu verfolgen und nie wieder auftaucht. Ich habe etwa zwanzig solcher lokalen Varianten gehört: »Sie wissen ja, was mit Mantell geschehen ist, ein UFO hat ihn abgeschossen, aber hören Sie erst einmal, was hier letzten Monat passiert ist!« (dies dürfte sich auf die Arnold-Geschichte beziehen).

Am 7.1.1948 nachmittags bekamen Fluglotsen der Air Force Base Godman (Louisville, Kentucky) Anrufe, dass Zivilisten ein unbekanntes Objekt gesichtet hätten. Kurz darauf sahen sie es vom Tower aus und berieten sich mit ihren Offizieren, die ihrerseits selbst Beobachtungen gemacht hatten.

Gerade zu dieser Zeit waren vier F-51 der Kentucky National Guard im Anflug. Mantell, der Einsatzleiter, wurde gebeten, das Objekt in Augenschein zu nehmen und nach Möglichkeit zu identifizieren. Einer der Flieger musste wegen knappen Treibstoffs landen, Mantell und die beiden anderen Flieger nahmen die Verfolgung auf.

Die offiziellen Aufzeichnungen der Air Force sind extrem wirr. Alle drei Flieger beschrieben das Objekt als »metallisch und von enormer Größe«. Mantell verließ die Formation, ging in Steigflug, funkte Berichte zum Tower und verstummte plötzlich. Später fand man seine Leiche zwischen Wrackteilen seiner Maschine, die großflächig am Boden verteilt lagen. Der Bericht schließt mit der Feststellung, er habe wohl den Planet Venus gejagt.

Die öffentliche Reaktion auf diesen Bericht war: »Wen, glauben die eigentlich, können die damit verarschen?« Wenn die drei Flieger sich einig waren, das Objekt sei »metallisch«, konnte es ja kaum die Venus gewesen sein. Tatsächlich kam es vor, dass Piloten durch die Venus (und andere Himmelskörper) irritiert wurden und sie für ein Flugobjekt hielten, aber keiner beschrieb die Venus jemals als »enorm groß«.

Als ich die Originalaufzeichnungen der Tragödie untersuchte, kam ich auf Folgendes:

»Blue Book« erfuhr später, dass sich in der Nähe ein großer »Skyhook«-Ballon (»Himmels-Kran«) befand, und dass dieser auch als solcher durch Dritte identifiziert wurde. Immerhin wäre das eine plausiblere Variante gewesen als die Venus-Spekulation der USAF.

Warum allerdings sollte ein erfahrener Pilot wie Mantell einem Ballon nachjagen? Die Skyhooks waren neu und ziemlich unbekannt – als Ballon kannte man so etwas ähnliches wie die Wetterballons, die von den Flugplätzen aus gestartet wurden.

Aber was ist mit seinem Flugzeug passiert? Warum wurden die Wrackteile dermaßen verstreut? Das sah allerdings nach Feindeinwirkung durch eine fliegende Untertasse aus.

Wrackteile belegten, dass die Trimmung des Flugzeugs auf Steigen gestellt war. Mantell hatte kein Sauerstoffgerät und zuletzt auf etwa 6000 Meter Höhe. Es ist wahrscheinlich, dass er wegen Sauerstoffmangels bewusstlos wurde. In dieser Höhe und mit einem bewusstlosen Piloten ist anzunehmen, dass der Schub einer F-51 nachlässt. Das Propeller-Drehmoment versetzt dann die Maschine in eine langsame Drehung nach links, dann in langsamen Sinkflug, und danach, mit wieder erlangter Schubkraft in einen immer steileren Sturzflug (genau genommen handelt es sich um einen Spiralsturz – vgl. »Rekonstruktion«, Inhaltsverzeichnis). Bei Erreichen der kritischen Geschwindigkeit (das ist die Bauart-bedingte Grenze, bei der »Flattern« einsetzt, also Resonanzen, die das Flugzeug nicht aushält) zerlegt sich die Maschine sich am Schluss selbst …

 

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Captain William B. Nash - Einwände

Aus einem Leserbrief an das Magazin »True« zu Ruppelts Report, von Captain William B. Nash:

Als Pilot muss Ruppelt wissen, dass seine Version: »Das Propeller-Drehmoment … langsame Drehung nach links … sich selbst zerlegen …« Quatsch ist. Jeder Anfänger weiß, dass, wenn die Geschwindigkeit ansteigt, auch der Auftrieb größer wird. Dann geht die Nase nach oben, bis die Geschwindigkeit wieder absinkt und damit die Nase wieder nach unten geht. Damit steigt aber die Geschwindigkeit wieder, und damit der Auftrieb. Damit ergibt sich eine oszillierende Flugbahn bis zum letztendlichen Aufprall – aber keinesfalls ein Sturzflug.

Statt zu oszillieren, kann die Maschine auch ins Trudeln kommen, oder in einen Spiralsturz übergehen, aber Trudeln ist nun mal ein »Stall«-ähnliches Manöver, und bei einem »Stall« zerlegt sich keine Maschine.

Allerdings, wenn das Flugzeug auf Steigflug getrimmt ist, wird wohl eher die oszillierende Flugbahn eintreten … und … wie Ruppelt sagt, war die Maschine auf Steigflug getrimmt.

 

Anmerkung: Offensichtlich handelte es sich tatsächlich um einen Spiralsturz, wie die Rekonstruktion ergab. Die oszilierende Flugbahn hätte sich bei einer kleinen, gutmütigen Maschine ergeben, aber nicht bei einer sehr stark motorisierten F-51. Das kann man ein wenig damit vergleichen, was passiert, wenn man bei einem frontgetriebenen Kleinwagen (z.B. Trabant) bei Vollgas das Lenkrad loslässt (fährt geradeaus weiter) oder bei einem überzüchteten Hecktriebler-Rennsportwagen (fährt von selbst ohne Lenk-Korrekturen niemals geradeaus).

 

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John Spencer - »per Definition ein UFO«

Aus: »Geheimnisvolle Welt der UFOs« (UFOs – The Definitive Casebook), John Spencer, Wien / Gütersloh 1992, S. 72-74

Am frühen Nachmittag des 7. Januar 1948 meldete die Tower-Besatzung des Godman-Flugfeldes dem leitenden Offizier der Basis die Sichtung eines hellen, diskusförmigen Objektes. Etwa 80 Minuten spaeter wurden vier P-51 Mustang Übungsflugzeuge der Nationalgarde angewiesen, dem Phänomen auf den Grund zu gehen. Die Maschinen unter der Leitung von Captain Thomas Mantell nahmen Kurs auf das nach wie vor erkennbare Objekt und begannen einen Steigflug.

In einer Höhe von 4500 Metern mussten Mantells Begleiter umkehren, da ihre Flugzeuge nicht über die erforderlichen Sauerstoffanlagen verfügten, um noch höher zu gehen. Sie nahmen Funkkontakt mit Mantell auf, der ihnen mitteilte, dass er das Objekt wahrnehmen konnte und dass er weiter aufsteigen will, um es unter die Lupe zu nehmen. Das war die letzte Durchsage seines Lebens. Mantells Maschine zerbarst, wobei die Wrackteile über eine Länge von rund zwei Kilometern verstreut wurden. Der junge Pilot war zum ersten UFO-Opfer geworden.

skyhookSkyhook

Die Untersuchung der Flugzeugtrümmer ergab, dass Mantell keinen Versuch unternommen hatte, aus der Maschine herauszukommen und sich mit dem Fallschirm zu retten. Die Experten kamen zu der Schlussfolgerung, Mantells P-51 wäre bei einem Sturzflug mit extremer Geschwindigkeit auseinander gebrochen, jedoch schon vorher außer Kontrolle geraten. Mantell dürfte durch Sauerstoffmangel bewusstlos geworden sein, als er die Maschine über ihre Reserven hinaus belastete. Fraglich bleibt, was Mantell immer höher und höher hinauf getrieben hat. Eine Theorie geht davon aus, es hätte sich um einen Skyhook-Ballon gehandelt. Sie dürfte sich auf die Aussage eines Zeugen beziehen, der das UFO durch seinen Feldstecher beobachtete und es als fallschirmartiges Objekt beschrieb, dessen Oberseite die Sonne leuchtend reflektierte. Eine andere Hypothese besagt, Mantell hätte auf die helle Luftspiegelung eines Planeten Jagd gemacht, was erklärt, warum er sein Ziel nicht erreichen konnte. An sich widersprach Mantells reiche Erfahrung solchen Fehleinschätzungen, doch man mutmaßte, er hätte wohl durch die UFO-Hysterie überreagiert, die seit der Arnold-Sichtung im Jahr davor seit sechs Monaten die Medien beschäftigt hatte.

Geheimnisvolle Gerüchte rankten sich um die ganze Angelegenheit. Man munkelte, Mantell hätte das Objekt als 'metallisch und von riesigen Ausmaßen' beschrieben, sein Körper wäre nicht bei den zerrissenen Flugzeugteilen gewesen, bzw. der Sarg hätte bei dem Begräbnis wegen seltsamer Wunden an der Leiche nicht geöffnet werden dürfen. Keine dieser Behauptungen konnte bewiesen werden, und es ist aufgrund der oft sehr gravierenden Entstellungen durchaus üblich, die Opfer von Flugzeugabstürzen im geschlossenen Sarg zu beerdigen.

Man wird niemals mit absoluter Sicherheit sagen können, ob Thomas Mantell ein Opfer seiner eigenen Erregung geworden war, oder ob ihn ein Blitzstrahl aus mysteriöser Quelle an der Verfolgung ein 'Fliegenden Untertasse' hindern sollte.

Grundsätzlich koennen wir jedoch davon ausgehen, dass das Licht, hinter dem er her war, per Definition ein UFO – ein 'Unbekanntes Flugobjekt' – gewesen ist, und dass Mantells Tod demnach als Folge einer UFO-Begegnung betrachtet werden muss.

 

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Jenny Randles - »eine der typischen Dauerlegenden«

Aus: Jenny Randles, Andy Roberts, David Clarke: »The UFOs That Never Were«, London House 2000 (UFOs, die es nie gab) S. 43

THOMAS MANTELL – JET-PILOT VON UFO GETÖTET?

Am 7.1.1948 um 13:20 Uhr nahm die Godman-Field-Airbase Anrufe der Staatspolizei entgegen, wonach ein unidentifiziertes Flugobjekt sich aus Richtung Osten näherte. Um 13:30 Uhr konnte die Godman-Tower-Besatzung das Objekt selbst sehen. Es wird einheitlich beschrieben als klein und weiß, in der Form eine »Eistüte« oder »Regenschirms«.

Eine Einheit aus vier F-51-Flugzeugen war in der Nähe. Godman Tower kontaktierte den Einsatzleiter, Captain Thomas Mantell mit der Order aufzuklären. Als Mantell dem Objekt nahe kam, war er immer noch nicht fähig, eine positive Identifizierung zu treffen. Nach Funksprüchen sei es »metallisch« gewesen und »von enormer Größe«.

Mantells Begleitpiloten brachen die Jagd wegen Mangels an Sauerstoff auf einer Höhe von 6750 Metern ab, und er stieg weiter auf »zur Sonne hin«. Wenige Momente später plumpste sein Flugzeug zur Erde – und Mantell war tot. Am Abend meldete der »Louisville Courier«: »F-51 und Capt. Mantell auf UFO-Jagd verloren«.

(Hier liegt eine entscheidende Ungenauigkeit: Die F-51 kam nicht wie ein Klavier herunter und zerschellte, sondern wurde schon in größerer Höhe zerstört, deswegen verteilten sich Kleinteile flächig.)

Kann das wahr sein?

Gibt es eine Lösung des Falles?

Schlussfolgerung: Der Mantell-Fall ist eine der typischen Dauerlegenden von Ufologen. Die Behauptung, »einer von uns« sei von bzw. auf der Verfolgung von »einem von ihnen« zerstört worden, taucht wieder und wieder auf, kürzlich erst im »Howden Moor«-Zwischenfall. Die verfügbaren Fakten weisen eher darauf hin, dass es sich lediglich um einen Unfall handelte, und dass Mantell nur vergeblich einen hochgeheimen Ballon verfolgte.

 

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Fazit

Die Fakten weisen darauf hin, dass man weder weiß, wen oder was Mantell verfolgt hat, noch warum die Maschine in Einzelteilen runter kam. Und ich [JK] muss sagen, dass ein erfahrener Pilot einen Ballon, der im Höhenwind treibt, selbst einen ausgefallenen, neuen, an seinem Flugverhalten erkennen sollte. Und die Flugsicherung der USAF sollte schon von geheimen Testflügen Kenntnis haben, selbst wenn es ein Navy-Projekt ist, eben damit keine Jagdflieger solche Prototypen zerstören – oder sollte mit der Story vertuscht werden, dass mal wieder die linke Hand nicht wusste, was die rechte tut?

Immerhin bleibt als positive Erkenntnis, dass auch hier kein UFO geschossen hat. Das wäre unter der Prämisse, dass es sich um technisch überlegene Aliens handelt, eine ziemlich üble Vorstellung. So bleibt uns die Hoffnung, dass es außerirdische Wesen gibt, die friedlicher gesinnt sind als die bekannten irdischen.

 

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Literatur zu Mantell