Seit ein Gericht befunden hat, dass der Betreiber einer Internet-Präsenz auch für Inhalte von Quellen, die er zitiert, verantwortlich ist, tickt die Online-Welt aus und füllt ganze Rechenzentren mit dummen »Disclaimern« …

 

Recht und Links

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Zitate im Internet

Ursache der ganzen »Disclaimer«-Geschichte war ein Rechtsstreit über Zitate im Internet.

Die Sache ist eigentlich ganz banal: Der Beklagte hatte auf seiner Internet-Seite Quellen angegeben, die der Kläger als beleidigend empfand. Der Beklagte hatte sich damit raus reden wollen, er hätte das ja gar nicht geschrieben, und somit läge die alleinige Verantwortung beim Autor, überdies hätte er sich pauschal distanziert. Das Gericht wertete dies jedoch als billigen Trick; die Absicht des Beklagten sei eindeutig gewesen, nämlich sich die fraglichen Zitate »zu eigen zu machen« und zu verbreiten.

Hätte der Betreffende über den Sachverhalt berichtet und dazu Quellen angegeben, wäre das in Ordnung gewesen. Fazit: An der ganzen Hysterie ist mal wieder nichts dran.

Zur »Ehrenrettung« der »Disclaimer-Autoren«: 1998 war es seitens der Gerichte noch nicht üblich, solche Urteile sofort per www allgemein zugänglich zu machen – so verbreiteten sich die Gerüchte schneller als die qualifizierten Informationen.

 

Unabhängig davon sind natürlich Verweise auf fremde Inhalte deutlich zu kennzeichnen, ähnlich wie man das auch anderswo mit Zitaten macht. Hierzu gibt es weit mehr und (für den unbedarften www.user) bedeutend problematischere Urteile: Wer fremde Inhalte in seine Seiten einbaut, ohne dass ersichtlich ist, dass dies fremde Inhalte sind, kann, kurz gesagt, richtig Ärger bekommen. Im Falle von Stadtplan-Ausschnitten beispielsweise führte das zu Abmahn-Aktionen größeren Ausmaßes – bei denen man sich durchaus fragen konnte, ob hier das Prinzip der Verhältnismäßigkeit nicht überschritten wurde.

 

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Kennzeichnung

Unsere Links sind [a] gekennzeichnet und [b] im Zweifelsfall kommentiert:

Wir verweisen nicht auf Schweinkram, Hehler-Börsen oder sonstigen Unfug. Unsere Links sind Quellenangaben, sonst nichts. Wenn die Quellen sich entsprechend ändern, nehmen wir die Links natürlich raus – das geht aber erst, wenn wir das merken. Es ist uns nicht möglich, ständig alle Querverweise zu kontrollieren.

Also statt »Disclaimer« einfach die Bitte an die Leser, mitzudenken.

 

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das ›neue Urteil‹ von 1998

Das berühmte Urteil (LG Hamburg 12.05.98) bezieht sich nach unserem Verständnis eindeutig auf die Inhalte, die die zitierten Seiten zum Zeitpunkt des Zitates hatten, und dort nur auf den Teil, der sich aus dem Zusammenhang des Zitates ergibt. Weiter ist die offensichtliche Absicht entscheidend, wozu die Links dienen sollen.

Das bedeutet: Wenn wir z.B. auf ein Kochrezept im Internet verweisen, dann verbreiten wir damit genau dieses Kochrezept, nicht jedoch sonstige Inhalte des Web-Auftritts des betreffenden Betreibers – und schon gar nicht eventuelle Schimpftiraden in dessen Gästebuch. So ist das bitte auch von uns aus zu verstehen.

 

 


So also, um alle Unklarheiten zu beseitigen, sieht ein »Link« dann aus:

Daniel Rehbein, ein »Internet-Pionier« aus Dortmund, schreibt in seinem Kommentar zum Urteil des LG Hamburg¹:


Dieses Zitat gibt wieder, was Herr R. gesagt hat und nennt die Quelle. Nicht mehr und nicht weniger. Es wird damit nicht behauptet, dass Herr R. Recht oder Unrecht hätte, und die Quellenangabe ist keine Empfehlung der Seite. Somit wäre es völliger Quatsch, sich hier von irgend etwas distanzieren zu wollen oder zu behaupten, mit dem Hinweis habe man sich »Inhalte zueigen gemacht«.