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10.12.2003 - Space Migration

Warum stagniert das ehrgeizigste technologische Ziel der Menschheit – die Raumfahrt?


Wir erinnern uns: Anfang der Sechziger Jahre stand John F. Kennedy, ein smarter, vergleichsweise sehr sympatischer junger US-Präsident als Propagandist und Wegbereiter einer neuen Idee, einer neuen Gesellschaft, eines technologischen Quantensprungs: »Noch in diesem Jahrzehnt werden wir einen Mann auf den Mond bringen und sicher wieder zurück auf die Erde«.

Er hatte sogar die Idee, das Mondprojekt zusammen mit den bisher böse verfeindeten Russen anzugehen – leider verstarb er kurze Ziet später auf mysteriöse Weise, schade.

Eagle

(Bild rechts): Modell im Deutschen Museum München, Abteilung Raumfahrt.

Millionen von Schulkindern haben daraufhin phantasievolle Bilder von Raumfahrzeugen gemalt und gezeichnet, Raumstationen, Mondbasen, Marsstädte, aber auch supermoderne irdische Städte ohne Dreck, Verkehrschaos und Slums.

Eine neue Ära hatte begonnen, eine Zeit großer Hoffnungen, nicht nur im technologischen, sondern auch im gesellschaftlichen Bereich.

Irdische Probleme überwinden, den Weltraum besiedeln, Armut, Krankheit und Krieg ein für alle Mal abschaffen. Scharenweise haben Vietnamsoldaten desertiert, haben sich Blumen an die Ohren gesteckt (oder ins Haar, sofern es schon nachgewachsen war), haben sich brüderlich mit den anderen Leuten zusammen in den Schlamm gesetzt und gesungen: »Das ist der Aufbruch in das Zeitalter des Wassermann«. Naiv? Sicher. Aber lieb, hoffnungsvoll, zuversichtlich. »No future« war dann knapp zwanzig Jahre später angesagt, als klar wurde,dass die wirklich Mächtigen weder Fortschritt noch Weltfrieden haben wollten.


Die Mondlandung

Am 21. Juli 1969 geschah das Unglaubliche: Nein, ich meine nicht den Kinostart des ersten Heintje-Films. Noch abgehobener: Obgleich Politiker, hatte Kennedy sein Wort gehalten. Und nicht nur er, auch seine Nachfolger Johnson und Nixon hatten das Mondprogramm weitergeführt – an jenem 21. Juli betrat der erste Mensch den Mond. Der Kommentator der Life-Übertragung im deutschen Fernsehen war so euphorisch, dass er die historischen Worte überquasselte: »Kleiner Schritt kchchchch fuiiiii grummel einen Menschen grummel fiiieep riesiger Sprung chchchch grummel Menschheit!«. Dann die ersten besoffenen Schritte auf dem Mond, und wir waren alle aus dem Häuschen, ebenfalls wie besoffen, das miterleben zu dürfen. Die neue Zeit war angebrochen.

Einige Verschwörungstheoretiker behaupten, die Mondlandung sei nichts weiter als ein gewaltiger Hollywood-Fake gewesen. Ist an dieser Theorie was dran? Und insbesondere, was hat es mit all den seltsamen Unstimmigkeiten auf den Mondfotos auf sich?

zum Artikel: »Waren die Amis überhaupt auf dem Mond?«

Selbstverständlich gibt es kilometerweise Filmmaterial von auf der Erde nachgestellten »Mond-Szenen«: Die Jungs haben nämlich fleißig trainiert, jede Einzelheit geübt, alles festgehalten, analysiert und optimiert. Wenn so eine Filmspule irgendwo aufgetzaucht ist, wäre das eine erklärbare »Initialzündunf« für entsprechende Gerüchte.


Futurologen

Das Hobby-Magazin (kennt das noch jemand?) brachte 1968 ein Sonderheft heraus: »So leben wir in 30 Jahren«. Dort wird u.A. ein futurologisches Szenario amerikanischer Wissenschaftler (basierend auf der Hochrechnung zeitgenössischer technologischer Entwicklung), die »Gordon-Helmer-Studie« von 1965/66, zitiert.

Zur Raumfahrt heißt es dort:

Der erste Flug eines Menschen zum Mond und zurück zur Erde wird nicht vor 1970 statt finden, aber auch nicht lange danach.

Heute wissen wir, dass dies dem tatsächlichen Zeitplan der NASA entsprach. Allein die Angst, die UdSSR könnte mit ihrem Konkurrenzprogramm einen winzigen Schritt voraus sein, bewegte die NASA dazu, schon ein halbes Jahr früher die Landung zu wagen – obwohl die automatische Steuerung der Landekapsel noch nicht richtig funktionierte. Die Astronauten mussten per Hand einen halbwegs geeigneten Landeplatz ansteuern (bei späteren Mondflügen war das Problem dann gelöst).

… werden sich schon zwischen 1970 und 1975 mehrere Satelliten auf ihrem Rundflug um die Erde vereinen: Stück für Stück entsteht eine Weltraumstation von der Größe eines Laborschuppens. … Die größten dieser Weltraumstationen können dann etwa zehn Mann auf einmal komfortabel beherbergen.

Fakt ist, dass diese Technologie in der Tat zur Verfügung stand. Zwar wurden parallel zu den Mondflügen keine Raumstationen gebaut, aber immerhin mit Skylab eine kleine Version aus Abfallprodukten des plötzlich auf Eis gelegten Apollo-Programms und, immerhin zwanzig Jahre später, die MIR aus den Resten des russischen Mondprogramms. Erst seit 2000 wird mit der ISS an der Station gebaut, mit der die Studie schon 1975 gerechnet hatte!

Die Raketen verwandeln sich … allmählich in Raumflugzeuge, die mehrmals verwendet werden können. … Für das Jahr 1975 sieht der Weltraumfahrplan die erste bemannte Mondstation vor.

Das Shuttle wurde wirklich für zukünftige Mondflüge projektiert. Dass es nur als »Light«-Version für erdnahe Transporte realisiert wurde, lag bestimmt nicht an technischen Problemen – im Gegensatz zu folgender Fehleinschätzung (hier wurden tatsächliche Möglichkeiten über- und die Probleme unterschätzt):

Solange man die Raketen noch mit flüssigen oder festen Stoffen antreibt, muss nach jedem Flug frisch getankt werden; eine umständliche Angelegenheit. Dies wird sich ändern, sobald die Raketen Atomantrieb bekommen. Auch damit ist zwischen 1970 und 1975 zu rechnen.

Die folgende Prognose beruht auf Verfügbarkeit eines Antriebs, der billig und ohne Auftanken mehrere weite Raumfahrten ermöglicht. Wollen wir also entschuldigen, dass der Zeitplan insofern auch nicht stimmen kann. Aber dass man das Ziel komplett aus dem Programm gestrichen hat, stimmt schon befremdlich.

Zwischen 1975 und 1979 wollen die ersten bemannten Raumschiffe zu Flügen starten, die wesentlich weiter in den Weltraum hinaus führen. Ihre ersten Ziele dürften die Planeten Mars und Venus sein. … Bis 1990 darf durchaus mit einem menschlichen Besuch auf dem Mars gerechnet werden. …


Ende der Euphorie

Die gleiche Quelle liefert hierzu eine verblüffend einfache Antwort (hier zwar auf die Landverkehrstechnik bezogen, aber das ist im Prinzip egal. Ich habe, um dies zu verdeutlichen, das Wort 'Bahn' jeweils durch 'Technologie' ersetzt):

»Die Technik dafür ist bereits fix und fertig. Was ihr im Wege steht, sind die Probleme der Finanzierung und des Wegerechts, die Interessen der bestehenden Technologie – und ganz besonders das Fehlen einer öffentlichen Meinung, die solche (neue) Technologie verlangt. … Und wenn irgendwann die Forderung nach entscheidender Verbesserung laut wird, lässt sich die auf Eis gelegte Technologie blitzschnell auftauen.«

Demnach sind alleine die jeweiligen politische Entscheidungen und Machtstrukturen dafür verantwortlich, ob Fortschritt stattfindet oder nicht.

Wenn man alles zusammen rechnet, Kommunikationssatelliten, Militärteile, Observatorien und ISS, wird heute jährlich weitaus mehr für Raumfahrt ausgegeben als damals für »Apollo« – ein paar ähnlich ehrgeizige Projekte würden vergleichsweise kaum zu Buche schlagen …


Fazit

Fazit: Evolution erfolgt nicht aus der Existenz ihrer Voraussetzungen heraus, sondern nur unter (mehr oder weniger freundlichem) Zwang. Solange wir also nicht entsprechende Ideen mit Nachdruck propagieren, und damit das Meinungsbild den eigennützig handelnden Medienmonopolisten (zwischen denen und der jeweiligen Obrigkeit eine gegenseitige Abhängigkeit besteht) überlassen, werden die Ressourcen für den Fortschritt weiter brach liegen. Und alles wird – business as usal – in den alten Strukturen weiter laufen, bis deren eigene Nebenwirkungen die Katastrophen auslösen, die den wenig freundlichen Zwang für Änderungen ausüben werden. Zweifelsohne ist der Trigger-Wert um so höher, je mächtiger die bestehenden Strukturen betoniert sind.

Was man gemeinhin als »Globalisierung« bezeichnet, ist kein evolutionärer Prozess, sondern eine unglaubliche Kraftanstrengung, um Evolution zu verhindern.

Zu diesem Thema gibt es einen verwandten Beitrag aus Perry Rhodan.


Neuer Aufbruch? – Der Spiegel, 6.1.2003

Ein paar Absätze sind aktualisiert (gekennzeichnet), die Links und Bilder (ab TrailBlazer) stammen nicht aus dem Spiegel-Artikel – JK

»Vor 30 Jahren verließ der letzte Mensch den Mond. Nun ist das Interesse am Erdtrabanten neu erwacht. Japaner, Chinesen, Inder und Europäer planen neue Missionen. Sie sollen Brocken uralten Erdgesteins auf der Mondoberfläche suchen und den Grundstein einer Roboterstadt legen« schreibt der Spiegel am 6. Januar 2003 (da nicht absehbar ist, wie lange der Artikel online¹ bleibt und wann er ins kostenpflichtige Archiv wandert, hier eine paar kurze Zitate).

Mit "Smart-1" wird die ESA erstmals den gesamten Mond kartieren, zehnfach genauer als bisher. Das Interesse am Mond ist wieder erwacht, nicht nur in Europa, sondern auch in Japan, Indien und China. Der Smart-1-Wissenschaftler Foing: »Ich bin Teil der Weltraum-Generation. Viele Menschen denken, die Mondlandung habe den Mond entzaubert, aber das Gegenteil ist wahr.«

Erst bei Apollo 17 durfte ein Geologe mitfliegen, Harrison Schmitt. Obwohl er Hinweise auf möglicherweise vulkanisches Gestein eintdeckte, änderte man den Zeitplan nicht, er konnte gerade mal ein paar Gesteinsbrocken aufklauben.

In gewisser Weise sei die Mondlandung Opfer ihres eigenen Erfolgs geworden, analysiert der Historiker W. David Compton. »Denn indem Kennedy direkt das schwierigste Ziel angepeilt hatte, schien es, als wäre alles, was danach kommt, nicht mehr der Rede wert.«

Bisher war man davon ausgegangen, der Mond sei gleichzeitig mit der Erde entstanden oder die Erde habe ihn eingefangen. Heute geht man davon aus, dass der Mond bei einer Kollision der Erde mit einem Asteroiden entstanden ist und somit aus einer Mischung aus Erd- und Fremdgestein besteht. Heute der Mond als Archiv der frühen Erdgeschichte. Ähnlich wie man in den Polregionen der Erde Meteoriten vom Mars findet, ist auch der Mond an der Oberfläche mit verstreutem Erdgestein übersät, älter als das meiste, was sich auf der Erde finden lässt.

trailblazerselene

Ein kalifornisches Privatunternehmen will (geplanter Start: Ende 2003, mit einer Dnjepr-Rakete – der Termin scheiterte an Export-Restriktionen der US-Zollbehörden) eine Sonde namens "TrailBlazer"¹ zum Mond schicken. Die Kosten sollen vom Verkauf der zur Erde gefunkten Videos und Fotos eingespielt werden. Auch Japan¹ plant ein Mondprojekt: 2004 soll der Satellit "Lunar-A" zum Mond aufbrechen, später die größere Sonde "Selene". (aktualisiert)

Indien und China liefern sich einen Wettlauf um die Ehre, als erstes Schwellenland eine Sonde zum Mond zu schießen. China hatte schon den Start des Sputnik-Satelliten als Demütigung erlebt.

Mao: »Wir sind ja nicht einmal in der Lage, eine Kartoffel ins All zu schießen.«

shenzhou

China will bis 2010 die "Shenzhou" zum Mond schicken und dort eine Basis errichten »ähnlich wie am Südpol«. Im Dezember 2002 startete »Shenzhou IV«¹ in den Orbit, noch unbemannt, 2003 gab es erste bemannte Flüge. (aktualisiert)

Foing: »Bisher sind alle Landefahrzeuge in der Nähe des Mondäquators gelandet, jede Aussage über den Mond war also bislang ungefähr so zuverlässig, als wenn ich versuchen würde, mit ein paar Gesteinsproben aus Afrika die gesamte Geologie der Erde zu erklären.«

Vor allem der Südpol des Mondes ist bei der Solar-Expedition von Interesse. Dort gibt es eine Bergspitze, die so hoch ist, dass sie ständig von der Sonne beschienen ist, direkt daneben eine Zone ewigen Schattens, in der man eventuell kleine Mengen Wasser zu finden hofft.¹ (aktualisiert)


Artikel zum Thema (»Wissenschaft online«):


JK

 

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